Mittwoch, 7. Jänner 2009

Winter lockert kalten Griff um Europa nicht:
Tiefsttemperaturen und gesperrte Flughäfen

  • Sibirische Zustände bei minus 27,7 Grad in Sachsen
  • Hafenstadt Marseille versinkt unter Schneemassen

Nach 36 Stunden ununterbrochenen heftigen Schneefalls gab es heute in Norditalien ein ziemliches Verkehrschaos. Betroffen waren vor allem die Großstädte Mailand, Turin und Genua. Die Mailänder Flughäfen Linate und Malpensa waren gesperrt. Der Betrieb könnte am Nachmittag wieder aufgenommen werden, falls sich das Wetter bessert. In Deutschland machen die eisigen Tiefsttemperaturen von bis zu minus 27,7 Grad den Menschen zu schaffen.

Von dem Schneechaos in Norditalien war auch das Autobahnnetz betroffen. Der Zivilschutz appellierte an die Menschen, ihre Autos wenn möglich stehen zu lassen. In Genua blieben die Schulen am ersten Tag nach den Weihnachtsfeiertagen geschlossen. Süditalien wurde von schweren Niederschlägen heimgesucht.

Deutsche Kältewelle
Kalt, kälter, am kältesten: Die Polarluft hat die winterliche Tiefsttemperatur in Deutschland weiter absacken lassen. Nach Angaben des Wetterdienstes meteomedia war das sächsische Dippoldiswalde im Erzgebirge mit minus 27,7 Grad der kälteste Ort in Deutschland. In Altenburg (Thüringen) und in Sohland im Lausitzer Bergland (Sachsen) sank die Temperatur auf minus 27,5 Grad.

So kalt war es in der Region zuletzt vor 22 Jahren. Kurz zuvor hatte das sächsische Delitzsch mit minus 26 Grad den Minus-Temperaturrekord gemeldet. Aus Niedersachsen wurden in der Früh Schulausfälle im Landkreis Lüchow-Dannenberg gemeldet. Grund seien die Straßenverhältnisse, die eine Schülerbeförderung nicht zuließen. Die Nebenstrecken im Kreis sind meist noch so stark vereist, dass kein Busverkehr möglich ist.

Die neuesten Tiefstwerte in Ostdeutschland wurden meist schon vor Mitternacht gemessen. In der zweiten Nachthälfte zogen von Norden her einige Wolken auf, die ein weiteres Absacken der Temperaturen verhinderten. Heute früh stiegen die Temperaturen verbreitet um drei bis vier Grad an. Die Meteorologen gehen davon aus, dass es zunächst keine weiteren Minus-Rekordwerte geben wird. "Hoch Angelika sorgt zwar auch in den kommenden Tagen für winterlich kalte Temperaturen, der Höhepunkt der Kältewelle wurde aber mit dem heutigen Tag erreicht", sagte Meteorologe Andreas Meingassner.

Marseille versinkt im Schnee
Der Schnee hat die französische Mittelmeerküste erreicht. Die Hafenstadt Marseille drohte in der weißen Pracht zu versinken: Der Flugverkehr und die Schnellzugverbindungen wurden geschlossen, teilten die Behörden mit. Rund 30 Züge wurden in Bahnhöfen der Region Provence-Alpes-Cote d'Azur angehalten, damit sie nicht auf den Gleisen stecken blieben. Auch der Straßenverkehr kam praktisch zum Erliegen, sämtliche Busse blieben im Depot.

Der Schneefall setzte in der Früh ein und sollte nach Angaben des Wetterdienstes bis zum Abend fortdauern. Die Autofahrer an der Cote d'Azur wurden überrascht, hochwinterliche Bedingungen sind an der Küste extrem selten. Der Grenzübergang nach Italien wurde bereits am Dienstagabend für Lastwagen gesperrt. Die Stromversorger riefen die Menschen der Region auf, ihren Verbrauch zu drosseln, um das Netz nicht zu überlasten.

Paris blieb weiter im Griff der eisigen Kälte. Die Temperaturen erreichten in der Nacht zum Mittwoch Tiefstwerte von 15 Grad minus. Der Eiffelturm, der nach Schneefall am Montag vorrübergehend geschlossen worden war, öffnete wieder für Besucher.
(apa/red)

7.1.2009 13:59