Mittwoch, 7. Jänner 2009

Salzburger Wintergewitter: Auf Jürgen
Flimm kommt harte Kuratoriumssitzung zu

  • NEWS über Thema des Jahres: Salzburger Festspiele
  • PLUS: Wann Ära Flimm endet und wie es weitergeht

In Mozarts „Entführung aus dem Serail“ wird ein drastisches Maßnahmenpaket gegen Unbotmäßige geschnürt: „Erst geköpft, dann gehangen, dann gespießt auf heißen Stangen“, skizziert der Obereunuch Osmin. Vergleichbares droht im Verlauf der Kuratoriumssitzung am 13. Jänner Salzburgs Festspielintendanten Jürgen Flimm, 67. Der will seinen Vertrag ein Jahr vor der Zeit, nämlich im September 2010, auslaufen lassen, um sich der neuen Aufgabe als künstlerischer Leiter der Berliner Staatsoper widmen zu können. Im Sinne eines branchenüblichen Vorbereitungsvertrags will er dem Haus schon ab 2009 beratend zur Verfügung stehen.

Während Kunstministerin Schmied die Causa dem Vernehmen nach amikal lösen will, zeigt man sich in Salzburg empört. Bürgermeister Heinz Schaden (SP) wäre ihn am liebsten sofort los: „Flimm hat eine Saison 2009 vor sich, dann muss ein geordneter Wechsel stattfinden. Sobald wir einen Nachfolger haben, kann man über die Abwicklung seines Vertragsverhältnisses reden. Aber wenn er früher geht, geht er unbezahlt. Er kann auch nicht, wie er das angedacht hat, ab 2009 Berater und Intendant auf zwei Bühnen sein. Das ist undenkbar.“ Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (gleichfalls SP) wieder-um ist sich nicht einmal sicher, ob Flimm in Berlin überhaupt rechtzeitig wird antreten können: „Ob wir ihn vorzeitig aus dem Vertrag gehen lassen, hängt davon ab, wann sein Nachfol-ger zur Verfügung stehen kann. Hier geht es einzig darum, was den Festspielen zumutbar ist.“

Mit anderen Worten: Dem Intendanten soll zwar bei erster Gelegenheit der Sessel vor die Tür gestellt werden, doch seine beruflichen Dispositionen kann er frühestens in einem halben Jahr treffen, wenn mit Glück der Nachfolger feststeht.

„Ich begreife den Wirbel nicht“
„Ich begreife den Wirbel nicht“, staunt Flimm im NEWS-Gespräch. „Die Programme für 2010 und 2011 sind fertig. Nach den Festspielen 2010 begännen die Vorarbeiten für die Sommer 2012 und 2013, mit denen ich nichts mehr zu tun habe. Also möchte ich ohne Gage freigestellt werden, wobei ich zu jeder Sitzung und bei Bedarf auch sonst jederzeit nach Salzburg käme und den ganzen Sommer vor Ort wäre. Der Abschied fällt mir nicht leicht, und selbstverständlich haben die Termine in Salzburg Vorrang vor anderen. Seinerzeit habe ich auch als Leiter der Ruhrtriennale meine Intendantengeschäfte in Salzburg aufgenommen, und niemand konnte sich beschweren“, fährt Flimm fort.

Schon im November wurden heimische Medien strategisch mit der Information beliefert, bei den Festspielen gehe es drunter und drüber. Anlass war die an sich bescheiden spektakuläre Tatsache, dass Flimm einen Passus im Vertrag des schwachen Schauspielchefs Thomas Oberender nutzen wollte, um dessen Wirken schon im Herbst 2009 zu beenden. Der damals designierte Oberender hatte 2006 schon vor Amtsantritt mit dem Deutschen Theater Berlin endverhandelt. Als er durchfiel, hätten ihn Salzburger Kreise gern vor die Tür gesetzt. Der Intendant rettete ihn, doch Oberenders Bilanz blieb unterprächtig.

Eklat inszeniert
Zuletzt verhandelte er um das Bochumer Schauspiel, wurde wieder nicht genommen und inszenierte in offenbarer Existenzpanik während der Kuratoriumssitzung vom 9. 12. einen Eklat: Er verlas einen mehrseitigen Brief des Inhalts, Flimm habe ihn gemobbt und wolle ihn aus Salzburg vertreiben. Der Intendant, der sich zu jener Zeit zwischen drei Angeboten zu entscheiden hatte, erklärte , nicht über 2011 hinaus in Salzburg zu bleiben, und gab Berlin den Zuschlag. Mittlerweile hat sich Oberender mit Flimm versöhnt und will nun doch bis 2011 weiterdienen. Doch hier, so Landes-VP-Chef und Festspielkurator Wilfried Haslauer, zählt nicht mehr, „was sich ein im Aufbruch befindlicher Intendant vorstellt. Das werden wir im Kuratorium an uns ziehen.“

Im Jänner soll nun eine Findungskommission die Tätigkeit aufnehmen und vor Festspielbeginn 2009 ihren Vorschlag präsentieren. Erwünscht ist zwar ein „frischer Wind“ (Schmied), doch offenbar kein Parameterwechsel in die Richtung avantgardistischer Experimente. Jedes der fünf stimmberechtigten Kuratoriumsmitglieder ernennt einen Kommissär. Schmied nominiert überraschend nicht Staatsoperndirektor Holender, sondern Innsbrucks Opernintendantin Brigitte Fassbaender. Seitens des Finanzministeriums soll Philharmoniker-Vorstand Hellsberg entsandt werden.

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7.1.2009 14:38

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