Montag, 12. Jänner 2009

Toter Rechtspopulist als Cash-Cow? Haider wird auf "In Memoriam"-CD verscherbelt!

  • Dauerwerbesendung mit posthumer Schlager-Show
  • "TV-Original" lockt mit einem Poster in Lebensgröße

Ob mit seinem politischen Vermächtnis viel zu holen ist, darf bezweifelt werden. Dass jetzt auch versucht wird, aus seinen musikalischen (!) Hinterlassenschaften Kapital zu schlagen, darf jedenfalls bestaunt werden. Derzeit werden nämlich vom ehemaligen Landeshauptmann Jörg Haider besungene Tonträger verscherbelt. Wer am Wochenede durch das Kabelfernsehen zappte, kam an diesem Aufreger nicht vorbei: Eine Dauerwerbesendung, die die "Dr. Jörg Haider In Memoriam Collection" für wohlfeile 39,95 Euro anbietet. Ein verstorbener Rechtspopulist als Cash-Cow?

Unfassbar, aber wahr: Im TV-Shop von TVM Music wird derzeit ein CD/DVD-Set angeboten, auf dem der verstorbene BZÖ-Gründer mitgesungen hat. (Solo übrigens auf "Mei Diandle vom Rosntal", "Diandle bist stolz" und "Pfiat Gott liabe Alm".) Auf der dazugehörenden Homepage dieses Vermarktungs-Clous ("haider-singt.at") wird nicht mit markigen Sprüchen gespart, um die Einmaligkeit dieses Produkts zu unterstreichen: "Nur hier das TV-Original", ist etwa zu lesen. Und: "Das ideale Geschenk zur Erinnerung an eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Republik Österreichs". Für die ersten 500 Anrufer gibt's sogar ein Haider-Poster in Lebensgröße GRATIS dazu.

Die Haider-CD wird im Fernsehen von TV-Überbleibsel Walter Freiwald ("Der Preis ist heiß"...) so flapsig präsentiert, wie sonst nur überflüssige Haushaltsgeräte, die es "2 zum Preis von 1" gibt. Bei der heißen Luft hörten sich bisher die Gemeinsamkeiten von Dampfbesen und Politikern eigentlich auf. Dann kam der TV-Shop.

Eine schillernde Persönlichkeit war Haider zweifellos. Dass man in der kaum abgeklungenen Aufregung um seinen plötzlichen Tod die trashige Marketingmaschine anwirft, überschreitet nicht nur die Grenze zur Geschmacklosigkeit, sondern lässt einen auch kopfschüttelnd vor dem Fernseher erstarren. Für einen kurzen Ausflug ins Schlager-Genre sollte Haider wirklich nicht in Erinnerung bleiben. Pfiat Gott.

(Agnes Sagmeister)

12.1.2009 10:19