Gazprom will jetzt die Ukraine verklagen:
Schiedsgericht in Stockholm soll schlichten
- Europäische Union lehnt eine Vermittlerrolle ab
- Schon erste Liefereinschränkungen in Osteuropa

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Ukrainische Firma wirft Gazprom Erpressung vor
·Barroso drängt Kiew
& Moskau zu Einigung
Ukraine deutet Einlenken
im Streit mit Gazprom an
·Ukraine will Schulden bei Gazprom zahlen
Moskauer Energieriese drohte mit Lieferstopp
Der russische Gaskonzern Gazprom will die Ukraine mit einer Klage zur Durchleitung von Gas nach Europa zwingen. Man habe entschieden, eine entsprechende Klage vor dem Schiedsgericht in Stockholm einzubringen, teilte Gazprom in Moskau mit. Zuvor hatte es aus einigen osteuropäischen Ländern erste Berichte über eine deutliche Verringerung der über die Ukraine kommenden russischen Gaslieferungen gegeben.
"Gazprom hat entschieden, eine Klage vor dem Internationalen Schiedsgericht in Stockholm einzubringen, um Naftogaz dazu zu zwingen, einen ungehinderten Transit russischen Gases über ukrainisches Territorium nach Europa sicherzustellen", hieß es in der Aussendung. Gazprom wirft Naftogaz vor, für den Transit bestimmtes Gas abzuzweigen. Hintergrund ist der Gasstreit zwischen den beiden Ländern, der mit Jahreswechsel akut geworden ist.
Reise nach Europa
Angesichts wachsender Bedenken in der EU über die russische Gaspolitik ist Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew zu einer Reise durch mehrere europäische Länder aufgebrochen. Er traf am Samstag in Prag zu Gesprächen mit der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft ein. Anschließend will er Paris, London, Berlin, Wien und Brüssel besuchen.
Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft hat eine Vermittlerrolle im Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland abgelehnt. Zugleich forderte der stellvertretende tschechische Ministerpräsident Alexandr Vondra nach einem Treffen mit Vertretern des russischen Gazprom-Konzerns beide Seiten zu einer Beendigung des Streits auf.
Die Vereinbarungen beider Länder mit den Gaskunden müssten eingehalten werden, sagte Vondra. Es könnten Schwierigkeiten auftreten, wenn der Streit anhalte. Momentan habe die EU aber genug Reserven. Vondra bezeichnete die Sicherung der Energieversorgung als Schlüsselthema für die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft seines Landes.
Warnung an Europa
"Sollte im Laufe der nächsten 10 bis 15 Tage keine Lösung gefunden sein, könnte es ernsthafte Probleme und Unterbrechungen bei der Gasdurchleitung durch die Ukraine geben", warnte der Beauftragte von Präsident Juschtschenko für die Energiesicherheit des Landes, Bohdan Sokolowski, vor Auswirkungen auf Europa. Es sei eine gewisse Menge Gas nötig, damit die Pipelines nicht automatisch stillgelegt würden.
(apa/red)

