Naftogaz fordert Gazprom zu Gesprächen
auf: Wirft russischer Firma Erpressung vor
- Gazprom-Vizechef Medwedew auf Tour durch Europa
- Es kam bereits zu ersten Liefereinschränkungen in EU

·Barroso drängt Kiew
& Moskau zu Einigung
Ukraine deutet Einlenken
im Streit mit Gazprom an
·Ukraine will Schulden bei Gazprom zahlen
Moskauer Energieriese drohte mit Lieferstopp
Der staatliche ukrainische Konzern Naftogaz hat im Gasstreit zwischen den beiden Ländern den russischen Monopolisten Gazprom zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert. Zugleich warf Naftogaz dem Moskauer Unternehmen "Erpressung" vor. Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew brach angesichts wachsender Bedenken in der EU zu einer Reise durch mehrere europäische Länder auf.
"Der Konzern ist der Ansicht, dass das Verhalten Gazproms die international üblichen Praktiken der Gesprächsführung und die allgemein anerkannten Handelsprinzipien verletzt und wirtschaftlichen Druck durch Erpressung ausübt", teilte Naftogaz am Samstag mit. Der ukrainische Konzern verlange den sofortigen Stopp dieser "Informationshysterie" und die Rückkehr Gazproms zu einem konstruktiven Dialog am Verhandlungstisch.
Zudem wies Naftogaz erneut den Vorwurf Gazproms zurück, für Europa bestimmtes Gas abgezweigt zu haben. Die Ukraine setze sogar ihre eigenen Gasreserven ein, um die Lieferungen nach Europa zu garantieren. Naftogaz betonte außerdem, alle Gas-Schulden für das vergangene Jahr bei Russland bezahlt zu haben. Gazprom zeigte sich jedoch zunächst nicht bereit, die Verhandlungen wieder aufzunehmen.
Medwedew auf Europa-Besuch
Angesichts wachsender Bedenken in der EU über die russische Gaspolitik besucht Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew derzeit mehrere europäische Länder. Er traf am Samstag in Prag zu Gesprächen mit der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft ein. Anschließend will Medwedew Paris, London, Berlin, Wien und Brüssel besuchen.
Entgegen den Beteuerungen der beiden Konzerne zum Jahreswechsel ist es nun doch zu ersten Liefereinschränkungen in Europa gekommen. Ungarn, Polen, Rumänien und Bulgarien berichteten am Wochenende von sinkenden Gasvolumina. Eine ungarische Transportfirma dementierte später. In Österreich waren zunächst keine Probleme zu spüren. Russland hatte am Neujahrsmorgen wegen des Streits um Lieferbedingungen und Preise seine Gaslieferungen an die Ukraine eingestellt.
(apa/red)

