Welle der Empörung gegen Israels Angriff:
Weltweit demonstrieren Zehntausende
- Londoner Downing Street mit Schuhen beworfen
- Auch in Salzburg fand ein Protestmarsch statt

·Erstmals setzt Israel jetzt Artillerie ein
Luftangriffe fordern bisher über 430 Opfer
·Über zwei Jahrzehnte Konflikt Israel-Hamas
Von erster Intifada bis zu
'Operation Heißer Winter'
·"Angeblicher Sieg
ist eine Niederlage"
So sieht die internationale
Presse die Krise in Nahost
Zehntausende Palästinenser haben in europäischen Großstädten gegen die israelischen Militäreinsätze im Gaza-Streifen demonstriert. Die größte Aktion gab es in Paris, wo die Polizei die Teilnehmerzahl auf 21.000 schätzte. In London bewarfen Demonstranten den Regierungssitz in der Downing Street mit Schuhen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Große Protestaktionen gab es auch in Berlin, Düsseldorf, Salzburg, Madrid, im schwedischen Uppsala sowie in der türkischen Hauptstadt Ankara. Es blieb friedlich.
In Salzburg nahmen nach Polizeiangaben zwischen 2.300 und 2.500 Menschen an einer Veranstaltung gegen die Gewalt im Gaza-Streifen teil. Die vom Islamischen Kulturverein Salzburg angemeldete Demonstration verlief ohne Zwischenfälle, wegen des Demonstrationszuges kam es aber in der Innenstadt zu Stauungen. In Wien versammelten sich am Samstag am Graben nach Polizeiangaben "einige Personen". Am Freitag hatten österreichische Muslime bei einer Demonstration in Wien die "Kriegsverbrechen" Israels im Gaza-Streifen angeklagt. An der Kundgebung nahmen 5.500 Menschen teil.
Proteste in Deutschland
In Deutschland versammelten sich allein in Frankfurt am Main nach Angaben der Polizei an die 10.000 Menschen. Die Abschlusskundgebung fand auf dem Römerberg im Herzen der Altstadt statt. Es gab keine Zwischenfälle. In Berlin versammelten sich 7.000 Menschen. Der Protestzug setzte sich am Roten Rathaus in Bewegung und führte über die Straße Unter den Linden und die Friedrichstraße. Zu hören waren Sprechchöre wie "Freiheit für Palästina" und "Stoppt den Mord und stoppt den Krieg". In Düsseldorf protestierten 4.000 Palästinenser.
"Wir sind alle Palästinenser" und "Israel Mörder" skandierten Demonstranten in Paris. Den Behörden zufolge zogen dort 21.000 Menschen durch die Innenstadt, mehr als 50 Organisationen hatten zu dem Protestmarsch aufgerufen. Viele französische Muslime stammen aus Nordafrika.
Dowing Street mit Schuhen beworfen
In London schleuderten Demonstranten als Zeichen ihres Protestes Hunderte Schuhe in Richtung des Amtssitzes des Premierministers in der Downing Street. Die abgesperrte Straße war mit Schuhen übersät. Schuhwerfen ist bei Muslimen ein Zeichen der Missachtung. Weltbekannt wurde ein irakischer Journalist, als er seine Schuhe auf US-Präsident George W. Bush im Dezember in Bagdad schleuderte.
Die Demonstration der mehreren tausend Menschen in London verlief friedlich. Die Teilnehmer, zu denen auch die Popsängerin Annie Lennox zählte, forderten die sofortige Einstellung der Angriffe. Auch in anderen britischen Großstädten wie Manchester, Liverpool und Glasgow gab es Protestveranstaltungen. Insgesamt gab es etwa 20 Aktionen.
In der türkischen Hauptstadt Ankara versammelten sich den zweiten Tag in Folge mehrere tausend Demonstranten, die Polizei sprach von 5.000 Teilnehmern. Auf Zypern protestierten rund 2.000 Menschen vor der israelischen Botschaft in Nikosia. Demonstrationen gab es auch in Spanien, Griechenland und dem Libanon.
Im nordisraelischen Sahnin demonstrierten zehntausende meist israelische Araber gegen die Angriffe auf den Gaza-Streifen. Israelische Medien sprachen am Samstagabend von den größten Protesten israelischer Araber seit Jahren. Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute für die Opfer der seit über einer Woche laufenden Offensive. Unter den Teilnehmern waren zahlreiche arabische Abgeordnete des israelischen Parlaments. Bei einer Ansprache forderte ein Parlamentarier der arabischen Balad-Partei nach Medienangaben, die israelische Führung solle wegen "Kriegsverbrechen in Gaza" vor ein internationales Gericht gestellt werden. Weitere Kundgebungen waren am Samstagabend auch in Tel Aviv und Haifa geplant.
(apa/red)
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