Bereits vor der Party die Katerstimmung: Wirtschaftskrise setzt Karibikstaat Kuba zu
- Zum Revolutionsjubiläum keine rauschende Feier

Auch wenn die kubanische Revolution sich am Neujahrstag zum 50. Mal jährt, plant die kommunistische Führung kein rauschendes Fest - zu stark setzt die internationale Wirtschaftskrise dem Land zu. Präsident Raul Castro sieht daher für Euphorie keinen Anlass und mahnte jüngst: "Man muss Realismus walten lassen und die Träume den tatsächlichen Möglichkeiten anpassen."
Der 77-jährige Staatschef nimmt damit ein halbes Jahrhundert nach dem Umsturz des Regimes von Fulgencio Batista nicht nur Abschied von der wolkigen Revolutionsrhetorik, wie sie sein Bruder Fidel pflegte. Auch das sozialistische Modell insgesamt, das nach Ende der Sowjetunion nun maßgeblich von Venezuela finanziert wird, ist nicht mehr unantastbar.
Prekäre Finanzlage
"Die Rechnung geht nicht mehr auf. Zwei und zwei ergibt vier und niemals fünf", sagte Castro mit Blick auf die prekäre Finanzlage, die durch mehrere Naturkatastrophen in diesem Jahr verschärft wurde. Die Wirbelstürme "Gustav", "Ike" und "Paloma" hatten auf der Karibik-Insel zu Schäden in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Dollar geführt. Rund ein Drittel der Ernten fielen den Hurrikanen zum Opfer. Die Regierung kann nun verdienten Arbeitern keinen kostenlosen Urlaub mehr spendieren und muss auch ansonsten eisern sparen. Kubas Führung hat in den vergangenen Jahrzehnten ein kostenloses Bildungs- und Gesundheitssystem aufgebaut, das in ganz Lateinamerika ohne Beispiel ist.
Große Teile der Bevölkerung kommen bei Durchschnittslöhnen von 20 Dollar im Monat dennoch nicht über die Runden. "Von dem Gehalt kann ich nicht leben. Da muss ich mir etwas einfallen lassen", meint Lehrer Pedro Perez vielsagend. In ihrer Not verdienen sich viele Kubaner auf dem Schwarzmarkt ein Zubrot, wo nicht selten aus Staatsbetrieben abgezweigte Güter ihre Abnehmer finden. Die 70-jährige Amanda Gonzalez etwa nutzt ihre staatliche Nahrungsmittelration zum Kauf von Zigaretten, die sie dann zu einem höheren Preis weiterverkauft. "Das ist natürlich illegal", bekennt Amanda.
Vorsichtiger Öffnungskurs
Raul Castro hat einen vorsichtigen Öffnungskurs gefahren und hält auf Kuba politisch die Fäden in der Hand - auch wenn sein erkrankter Bruder Fidel hinter den Kulissen weiter präsent ist. Raul ließ beispielsweise den Verkauf von Computern und Handys zu. Für viele Kubaner sind dies aber Luxusgüter. "Ich muss schon monatelang sparen, um mir ein Paar Tennisschuhe leisten zu können", meint der 32-jährige Manny Garcia.
Eine Million seiner Landsleute haben sich in den vergangenen Jahrzehnten in die nahen USA abgesetzt. Für viele Probleme in Kuba macht die staatliche Propaganda den kapitalistischen Feind im Norden verantwortlich, der den kommunistischen Staat in seinem Vorhof seit 1962 mit einem Embargo zu schwächen trachte. Nun setzen allerdings nicht wenige Kubaner darauf, dass ausgerechnet der Erzfeind USA 50 Jahre nach der Revolution mit zu einem Wandel auch auf der Karibik-Insel beitragen könnte. Der gewählte US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, das Embargo zu lockern und möglicherweise den Dialog mit Kuba aufzunehmen.
(apa/red)
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