Dienstag, 30. Dezember 2008

Österreichs Industrie erwartet hartes Jahr:
Auftragsflaute führt zu Produktionsrückgang

  • Industriekonjunktur setzt Talfahrt ungebremst fort
  • Ende der Industriekrise ist momentan nicht in Sicht

Die Aussichten für Österreichs Industrie haben zum Jahresende 2008 einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Angesichts des deutlichen Einbruchs bei Neuaufträgen und der rasch schmelzenden Auftragspolster fehlen derzeit die Anzeichen für ein baldiges Ende des Abwärtstrends in der Industrie, so die Ökonomen der Bank Austria.

Der saisonbereinigte Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) ist im Dezember auf nur noch 35 Punkte gesunken. Österreichs Industrie setzte damit zum Jahresende 2008 ihre Talfahrt ungebremst fort. Für das vierte Quartal erwartet der stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, bereits einen leichten Rückgang der gesamten Wirtschaftsleistung. "Damit hat die österreichische Wirtschaft erstmals seit dem zweiten Quartal 2001 den Wachstumspfad verlassen", prognostiziert Bruckbauer.

Der Indikator befindet sich mittlerweile bereits den neunten Monat in Folge unter der 50-Punkte-Marke, jenem Wertebereich, der Schrumpfungstendenzen signalisiert. Nur im Jahr 2001 habe es eine längere Phase des EMI unter der Neutralitätslinie gegeben. Im Gegensatz zur damaligen Schwächeperiode befinde sich der Indikator nun jedoch auf deutlich niedrigerem Niveau, heißt es.

Kein Ende der Krise in Sicht
Die aktuelle Entwicklung zeige, dass noch immer kein Ende des drastischen Einbruchs der österreichischen Industriekonjunktur in Sicht sei, so Bruckbauer. Die stark exportabhängige Industrie werde nun mit voller Wucht von dem internationalen Konjunkturrückgang getroffen.

Die sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene gesetzten fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen nährten zwar die Hoffnung auf eine Stabilisierung der Lage bis zur Jahresmitte 2009, Vorausindikatoren, die dies bestätigen, fehlten jedoch noch.

Industrieproduktion wird um 4 Prozent schrumpfen
Angesichts der besonders ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen und der Tatsache, dass weltweit alle Märkte von der Konjunkturschwäche betroffen seien, sei in weiterer Folge von einer nur sehr zähen Erholungsphase auszugehen. "Die Industrieproduktion wird 2009 insgesamt um rund 4 Prozent schrumpfen. Damit wird auch die gesamte österreichische Wirtschaft im kommenden Jahr ein Minus von 0,5 Prozent einfahren und mit einem Anstieg des BIP um 0,7 Prozent bleibt 2010 die Konjunktur schwach", erwartet Bruckbauer.

Im Dezember verbuchte die Industrienachfrage bereits den dritten Monat in Folge ein Rekordminus. Der globale Konjunktureinbruch habe sich im Dezember in besonders stark sinkenden Aufträgen aus dem Ausland niedergeschlagen, insbesondere für die österreichische Auto-Zulieferindustrie. Die Personalkapazitäten seien im Rekordtempo zurückgefahren worden. Der Beschäftigungsabbau halte nun bereits seit acht Monaten an und beschleunige sich kontinuierlich.

Aufgrund der wenig erfreulichen Auftragslage erwarten die Ökonomen der Bank Austria eine Fortsetzung des negativen Beschäftigungstrends. Dieser werde im Verlauf des kommenden Jahres in die Gesamtwirtschaft durchschlagen. Im Jahresdurchschnitt 2009 werde die Anzahl der Arbeit suchenden Personen in Österreich um etwa 30.000 zunehmen. "Damit ist ein Anstieg der Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent 2008 auf 6,5 Prozent 2009 zu erwarten", so Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.
(apa/red)

30.12.2008 12:13