Hypo Real Estate geht in die Geschichte ein:
Früherer Musterschüler fällt ins Bodenlose
- Aktienkurs der Hypo stürzte um knapp 80 Prozent ab
- Strauchelnde Bank hängt am Tropf staatlicher Hilfe
·Stellen-Kahlschlag bei Hypo Real Estate
Immobilienfinanzierer streicht rund 800 Posten
·Mehrheit gegen Hilfe für Autozulieferer
"profil": Ein Drittel keine Einwände bei Staatshilfe
·Credit Suisse verteilt
giftige Wertpapiere
Wertlose Anteile anstatt Bonus für Bank-Manager

Der Fall Hypo Real Estate könnte als rasantester Absturz eines DAX-Konzerns in die deutsche Wirtschaftsgeschichte eingehen. Noch Anfang des Jahres galt der Immobilienfinanzierer aus München als "Hidden Champion" in der ersten Börsenliga, der sich selbst als Gewinner der Finanzkrise bejubelte und die Aktionäre damit bei Laune hielt. Inzwischen hängt der Konzern am Tropf staatlicher Milliardenhilfe, flog nach dem Absturz des Aktienkurses um 80 Prozent aus dem DAX und muss einen Großteil seines Geschäfts einstampfen, um überhaupt zu Überleben.
Der einst gefeierte Ex-Konzernchef Georg Funke und andere ehemalige Top-Manager sind wegen des beispiellosen Skandals ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.
Ob die Hypo Real Estate überhaupt noch einmal auf die Beine kommt, ist nach Ansicht von Bankenexperten ungewiss. "Diese Branche lebt von Vertrauen und wenn das derart erschüttert ist, wird es sehr, sehr schwer", sagt ein hochrangiger Banker. Voraussetzung für einen Neuanfang wäre nach Einschätzung von Experten zumindest der Abschied von dem alten Namen Hypo Real Estate, um eines Tages nicht mehr sofort Erinnerungen an die schlimmste Beinahe-Pleite des Jahres 2008 zu wecken.
Ende September war der Konzern durch eine finanzielle Notlage seiner Tochter Depfa Bank derart in Bedrängnis geraten, dass Bund und Banken ihn mit 50 Mrd. Euro retten mussten. Damit ist das Ende der Fahnenstange aber nicht erreicht. Da das Geschäft nicht wieder in Schwung gekommen ist, verhandelt der neue Chef Axel Wieandt schon über Nachschub. Das Jahr 2008 wird die Hypo Real Estate nach einem Milliardenverlust im dritten Quartal mit tiefroten Zahlen abschließen.
Bodenloses Loch
Für die deutsche Regierung droht die Hypo Real Estate damit zu einem schwarzen Loch zu werden, in dem immer mehr Geld verschwindet. Trotzdem gibt es dazu aus Sicht von Experten keine Alternative, da die Pleite des Konzerns noch viel schlimmere Auswirkungen auf den Finanzplatz Deutschland hätte. Wieandt soll die Bank deshalb auf Wunsch von Berlin so weit verkleinern, dass sie als Immobilienfinanzierer überschaubarer Größe weitermachen kann. Als ersten Schritt auf diesem Weg kündigte der 42-jährige Banker, fünf Tage vor Weihnachten, den Abbau von 1.000 der weltweit 1.800 Arbeitsplätze an, der Großteil davon im Ausland.
Auf Rückhalt durch seinen Großaktionär kann sich Wieandt bei der Mission verlassen. Die Investorengruppe um JC Flowers hatte sich im Frühjahr für mehr als eine Mrd. Euro knapp 25 Prozent an der Hypo Real Estate gesichert und den Aktionären dafür 22,50 Euro pro Aktie gezahlt. Nach dem dramatischen Kursrutsch kostete das Papier zum Jahresende zeitweise weniger als drei Euro, bei einem Ausstieg würde Flowers den Großteil seines Einsatzes verlieren. "Denen bleibt gar nichts anderes übrig, als auf Besserung zu hoffen", heißt es in Branchenkreisen.
Andere Aktionäre wollen den Absturz der HRE-Aktie nicht einfach hinnehmen und erstatteten bei der Staatsanwaltschaft München Anzeige gegen die verantwortlichen Manager. Sie haben aus Sicht der Anleger nicht früh genug auf die drohende Finanzklemme hingewiesen und damit den Schock an der Börse ausgelöst. Nach gründlicher Prüfung der Vorwürfe rückten die Ermittler Mitte Dezember aus und suchten bei einer Razzia in der Konzernzentrale und den Häusern früherer Vorstände nach Hinweisen, ob sich die Manager möglicherweise gegen das Gesetz verstoßen haben. Sollte sich der Verdacht bestätigen, steht nach dem Prozess um den Schmiergeldskandal bei Siemens in diesem Jahr am Landgericht München im Jahr 2009 schon wieder ein spektakulärer Wirtschaftsprozess bevor.
(apa/red)
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