Heimischer Weinkonsum bleibt krisenfest:
Österreicher greifen zu billigeren Weinen
- Österreichische Weinwirtschaft mit 2008 zufrieden
- Pro Kopf werden im Durchschnitt 30 Liter getrunken

Herr und Frau Österreicher werden sich auch 2009 die Lust an Grünem Veltliner, Rheinriesling & Co. nicht verderben lassen - in den wirtschaftlich raueren Zeiten dürften sie aber verstärkt auf billigere Rebsäfte ausweichen - so sieht es zumindest die heimische Weinwirtschaft. Nach jüngsten Zahlen der österreichischen Weinmarketinggesellschaft (ÖWM) ist der inländische Weinkonsum 2008 zwar insgesamt weiter zurückgegangen, die inländischen Anbieter konnten den Importen aber Marktanteile abjagen.
Die Ausfuhren wuchsen um knapp sieben Prozent auf 60 Mio. Liter bzw. 8,5 Prozent auf 113 Mio. Euro. Schöne Erfolge gab es im bei weitem wichtigsten Exportmarkt Deutschland (11,8 Prozent mehr Umsatz) sowie in der Schweiz (+ 17,8 Prozent).
Sorgen bereitet dagegen das US-Geschäft: "In der ersten Jahreshälfte hatten wir ein Problem mit dem schwachen und als sich der Dollar erholt hatte, konnten die Importeure nicht mehr zahlen", sagt ÖWM-Chef Willi Klinger.
Quantitativ bessere Ernte
Die Statistik beruht auf einer Hochrechnung, derzeit liegen erst die Zahlen für die ersten drei Quartale vor. Neben Klinger und dem Präsidenten des Weinbauverbands, Josef Pleil, nahm an der traditionellen Jahresbilanz der Weinmarktetinggesellschaft diesmal erstmals der neue Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich teil.
Die Ernte fiel heuer zumindest quantitativ besser aus als noch vor kurzem befürchtet, sagte Pleil. Wegen großer Hagelschäden und Pflanzenkrankheiten waren die ersten Vorausschätzungen Ende August "noch extrem düster - man hat damals bis zu 30 Prozent Minderertrag erwartet". Weil aber die Witterung im Oktober günstig ausgefallen ist, erwartet Pleil für heuer bis zu 3,2 Mio. Hektoliter - um 20 Prozent mehr als 2007. Weil es viel Niederschlag gegeben habe, verfüge der Jahrgang 2008 über "weniger Alkohol, ist dafür aber fruchtbetonter und extraktreicher".
Essen und Trinken krisenfest
"Wie schlecht es dem Volk auch immer gehen mag - das Essen und Trinken lässt es sich nicht nehmen", lautet Pleils Devise für die Krise. Es könnte aber dazu kommen, dass teuerere Weine stärker durch billigere ersetzt werden, meinte er. Klinger, der gerade erst mit großen Handelsketten telefoniert hat, sieht im Inland - im Gegensatz zu Deutschland - noch keinen Anhaltspunkt für Konsumrückgänge.
Auch die Weinbauern werden von den Maßnahmen im Bankenhilfspaket und den Konjunkturpaketen profitieren, meinte Berlakovich auf die Frage, ob es noch ausreichend Kredit für die Weinbauern gebe. Man müsse bei den Investitionen aber "ohnedies immer mit Augenmaß vorgehen und darf die Winzer nicht in Investitionen hineintreiben".
Aktuell seien keine Absatzrückgänge festzustellen, sagte auch Berlakovich. Grundsätzlich ist der Weinkonsum in Österreich freilich schon seit Jahren rückläufig und auch 2008 ist der Verbrauch eher zurückgegangen, sagte Klinger. Gleichzeitig ist sowohl der Mengen-als auch der Wertanteil der österreichischen Anbieter aber gewachsen, besonders bei Rotweinen. Klinger wertete dies als Bestätigung der Absatzförderung des Rotweins in den vergangenen Jahren. Aktuell trinken Herr und Frau Österreicher im Jahr durchschnittlich etwa 30 Liter Wein.
Förderung von Innovationen
Nicht auf die Beseitigung von Überschüssen, sondern auf "Innovation" und "Strukturverbesserung" werden die Förderungen ausgerichtet sein, die in den kommenden fünf Jahren in die Weinwirtschaft fließen, kündigte Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich an. Dafür stünden jährlich steigende Budgets, beginnend mit etwa 8 Mio. Euro zur Verfügung. Das gesamte Fördervolumen bis 2014 beläuft sich auf 72 Mio. Euro.
Ein Förderschwerpunkt soll der Absatz auf Nicht-EU-Märkten werden. Besondere Chancen ortet man in der Schweiz, Norwegen, Russland, vor allem aber in Asien. "Wir haben Grund zur Annahme, dass der Grüne Veltliner auch dort 'funktioniert', wo es keinen Heurigen und kein Schnitzel gibt", sagte ÖWM-Chef Klinger.
"Umstrukturierung der Weingärten"
Subventionsschwerpunkte werden künftig auch in Kellertechnik und Vermarktung gesetzt. Auch die "Umstrukturierung der Weingärten" soll weiter betrieben werden. Dieser Prozess läuft bereits seit acht Jahren, bisher sind 9.700 Hektar - knapp ein Fünftel der österreichischen Rebfläche - erneuert worden.
Gefördert werden u.a. die Erhaltung von Terrassen, sparsame Bewässerungsmaßnahmen, Umzäunungen gegen den Wildverbiss oder Hagelschutznetze. Seit Anfang Dezember verfügt die heimische Weinwirtschaft über eine fünfte sogenannte DAC-Region. Mit dem bereits 2000 eingeführten Modell sollen die Winzer dazu motiviert werden, sich auf ein paar regionstypische Weine zu konzentrieren - was die Vermarktung erleichtert. Das Konzept war bisher hauptsächlich in Niederösterreich erfolgreich. DAC-Weinbaugebiete gab es bisher im Weinviertel, im Traisental und im Kremstal. Die einzige nicht-blaugelbe DAC-Enklave ist momentan das Mittelburgenland, wo der Landwirtschaftsminister herkommt.
(apa/red)
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