AK & Caritas drängen auf Mindestsicherung:
Nach Einkommensbericht nun Politik gefragt
- Schritte gegen prekäre Arbeitsverhältnisse notwendig
- Einkommensschere zwischen Mann & Frau vergrößert

Arbeiterkammer, Caritas und die SPÖ forden nach Vorliegen des Einkommensberichtes des Rechnungshofes die rasche Umsetzung der Mindestsicherung. Außerdem verlangte Caritas-Präsident Küberl von der Politik deutliche Schritte zur Abschaffung prekärer Arbeitsverhältnisse sowie eine Reduzierung der Teilzeit-Beschäftigten. Die AK forderte eine Valorisierung der Arbeitslosen- und Notstandsunterstützung.
Für Küberl bestätigt der Einkommens-Bericht, der ein weiteres Aufgehen der Schere zwischen den Einkommen Armer und Reicher sowie jener von Frauen und Männern belegt, dass es in Österreich "verdammt viele Leute in sehr geringen Einkommensgrößen" gibt. "Ich hoffe, dass das die Politik als auch die Sozialpartner aufschreckt". Außerdem sieht der Präsident damit die Erfahrungen der Caritas bestätigt, wonach "Frauen in prekären Beschäftigungen und ohne familiären Rückhalt leider am stärksten in Not geraten".
Aus dem RH-Bericht lasse sich der "Handlungsbedarf klar ablesen", es handle sich hier um "große strukturelle Fragen". Die Mindestsicherung sei ein Gebot der Stunde, damit "ein Minimum an Überlebenssicherheit gegeben ist". Aus der AK hieß es dazu, nach dem bereits umgesetzten Mindestlohn von 1.000 Euro und den höheren Kollektivverträgen der Niedriglohnbranchen sei die Mindestsicherung der nächste notwendige Schritt zur Bekämpfung der Erwerbsarmut.
Außerdem wünscht man sich in der AK die Anhebung der Ersatzquote der Arbeitslosenversicherung von 50 auf 60 Prozent sowie eine Valorisierung der Arbeitslosen- und Notstandsunterstützung. Um die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen zu schließen, seien laut Arbeiterkammer Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefragt,. Auch gelte es, Mädchen verstärkt in traditionell männlich konnotierten Berufen auszubilden.
Die Forderung nach der Mindestsicherung kam am Dienstag einmal mehr auch aus der SPÖ. Sozialsprecherin Csörgits bezeichnete diese als "dringend notwendige Maßnahme, um die Menschen vor der Armut zu bewahren".
Einkommensschere weiter aufgegangen
Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen ist in den letzten Jahren weiter aufgegangen. Während das mittlere Einkommen der Frauen seit 1998 jährlich im Schnitt um 1,9 Prozent stieg, wuchs jenes der Männer um 2,1 Prozent. Hauptgrund ist der überdurchschnittliche weibliche Anteil an der zunehmenden Teilzeitarbeit, die auch der Hauptgrund für die steigende Kluft zwischen Arm und Reich ist.
Das geht aus dem Einkommensbericht des Rechnungshofes hervor. Frauen sind demnach überproportional in Dienstleistungs- und Hilfstätigkeiten und damit in schlecht bezahlten Berufen zu finden. In diesen Berufsgruppen arbeiten sie überdurchschnittlich häufig Teilzeit, was sich zusätzlich negativ auf ihre Einkommenssituation auswirkt. 89 Prozent aller ganzjährig Teilzeitbeschäftigten sind weiblich, 39 Prozent aller erwerbstätigen Frauen befinden sich in einem Teilzeitarbeitsverhältnis - bei Männern liegt dieser Anteil nur bei vier Prozent.
Nominal ist das mittlere Einkommen seit 1998 moderat angestiegen. Lag der Median der Bruttojahreseinkommen (eine Hälfte liegt darüber, die ander Hälfte darunter, Anm.) 1998 bei 19.430 Euro, so waren es 2007 22.815 Euro - durchschnittlich betrug der Anstieg pro Jahr 1,8 Prozent. Das Medianeinkommen der Frauen stieg in diesem Zeitraum von 14.111 Euro auf 16.748 Euro, das entspricht einem durchschnittlichen Anstieg von 1,9 Prozent pro Jahr. Das mittlere Einkommen der Männer wuchs im selben Zeitraum um 2,1 Prozent - von 23.365 auf 28.226 Euro.
Frauen weitläufig benachteiligt
Die Benachteiligung der Frauen zieht sich durch alle Bereiche. In der Privatwirtschaft kommen weibliche Angestellte auf 49 und Arbeiterinnen gar nur auf 44 Prozent des mittleren Männereinkommens, Beamtinnen verdienen 91 Prozent ihrer männlichen Kollegen und Vertragsbedienstete 78 Prozent. Ein Teil dieser Differenz lässt auf Teilzeitarbeit zurückführen, aber auch wenn man nur ganzjährige Vollzeitbeschäftigte vergleicht, beträgt das mittlere Fraueneinkommen nur 78 Prozent von jenem der Männer. Die weiblichen Angestellten kommen hier auf 64 Prozent, die Arbeiterinnen auf 67, die Beamtinnen auf 98 und die Vertragsbediensteten auf 91 Prozent.
(apa/red)
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