Gewitterwolken über den Stadien der Welt:
Finanzkrise droht auf Sport überzugreifen
- Sponsoren-Rückzug in vielen Sportarten befürchtet
- Austro-Verbände besorgt, aber nicht hoffnungslos

·Österreichs 'kleine'
Verbände alarmiert
Wirtschaftskrise führt zu
weniger Sponsorgeldern
·"Alle Sportereignisse
werden Krise spüren"
Sponsor-Experte Grohs
rechnet mit Auswirkungen
·Austro-Fußball hat
wenig zu befürchten
Langfristige Sponsordeals
& solide Geldveranlagung
Geht es nach Expertenmeinungen, so ist der Sport im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen weniger anfällig für das Auf und Ab der internationalen Finanzmärkte. Dennoch musste er im Jahr 2008 einige finanzielle Rückschläge hinnehmen und sieht angesichts der Wirtschaftskrise zum Jahreswechsel einer spannenden Zukunft entgegen.
"In Zeiten ökonomischer Ungewissheit bleibt der universelle Reiz des Sports groß", erklärte Simon Chadwick, Professor an der Coventry Business School in England. "Deshalb zählt er zu den lukrativsten Wirtschaftszweigen, in denen man sich engagieren kann." Nichtsdestotrotz befinden sich gerade Sportarten, die mit der Motor-bzw. Finanzindustrie eng verknüpft sind, in der "Feuerlinie". Experten fragen sich, ob Zeichen einer Entspannung noch vor dem Jahr 2010 sichtbar werden. "Es ist noch zu früh, um die Größe der Probleme abzuschätzen", gab Richard Worth, CEO des Sportrechtevermarkters Sportfive, zu bedenken. "Golf und Formel 1 haben vielleicht größere Probleme, aber diese werden nicht ewig dauern. Sie werden zurückkommen."
Am stärksten betroffen ist der Bereich der Sponsorentätigkeiten. Unternehmen trachten danach, ihre Ausgaben auf das Notwendigste zu reduzieren. Honda zog sich im Dezember aus der Formel 1 zurück, der mexikanische Milliardär Carlos Slim soll ante portas stehen. Der Automobil-Weltverband FIA hat bereits radikale Vorschläge zur Kostenkürzung in der Königsklasse des Motorsports präsentiert. Suzuki verabschiedete sich aus der Rallye-Weltmeisterschaft, Subaru folgte nur einen Tag später, und Chrysler kürzte sein Engagement in der NASCAR-Serie um 30 Prozent. Selbst die "Motor-City" Detroit scheint bis auf weiteres nicht mehr im Kalender der Indy Racing League auf. "Angesichts der schwierigen Zeiten konnten wir die Sponsoren nicht um immer mehr bitten", rechtfertige Renn-Vorsitzender Bud Denker den Schritt.
Finanz-Sponsoren könnten ausfallen
Worth ist "sicher, dass es im Sponsor-Markt schwer wird. Und auch im Finanz-Sektor schaut es schlecht aus". So kommen etwa elf der Turnier-Namenssponsoren in der US-PGA-Golf-Tour aus dem Finanzsektor. Im Fußball wiederum droht Manchester United der Verlust seines Dressen-Sponsorvertrags mit dem US-amerikanischen Versicherungskonzern AIG in der Höhe von 14 Millionen Pfund (14,7 Millionen Euro), wenn der Kontrakt 2010 ausläuft.
Viele Analysten sind sich hingegen einig, dass Fußball auf Topniveau von den Auswirkungen der Finanzkrise verschont bleiben wird. Grund dafür seien die langjährigen Sponsorverträge sowie die weltweite Fan-Basis. Allerdings könnten einige Clubs die Rechnung für die hohen Schuldenberge präsentiert bekommen. So weisen die spanischen Fußball-Profi-Vereine laut spanischen Medienberichten eine Gesamtverschuldung von rund drei Milliarden Euro auf, Englands Teams haben ein Minus von 3,18 Milliarden Euro angehäuft. Noch im Oktober wollte David Triesman, Vorsitzender des englischen Verbands (FA) nicht ausschließen, dass ein Top-Club in Konkurs gehen muss.
Die Spielergagen würden aber weiterhin hoch bleiben, prophezeite Dan Jones, Chef der Sport-Abteilung der Beraterfirma Deloitte. "Die Vereine werden für Gehälter weiterhin so viel wie möglich ausgeben." Auch die Kartenverkäufe erwartet er zumindest mittelfristig auf stabilem Niveau. "Ich denke, dass sie auch in einem halben Jahr gut gehen werden. Es muss schon ein Punkt großer Hoffnungslosigkeit erreicht sein, bevor jemand auf den Kartenkauf verzichtet", meinte Jones.
Keine Hoffnungslosigkeit in Österreich
Auch Österreichs Sport blickt nicht ohne Sorge auf das Jahr 2009: Die weltweite Wirtschaftskrise droht auch hier ihre Spuren zu hinterlassen. Vor allem die "Kleinen" könnten sich mit einigen Schwierigkeiten konfrontiert sehen. Auf allzu düstere Prognosen will sich freilich kaum jemand einlassen, noch gelte es, die Entwicklungen der nächsten Monate abzuwarten.
Österreichs Profi-Fußball scheint mit "Streifschüssen" davonzukommen. Der Österreichische Fußballbund (ÖFB) selbst verweist auf ein gesichertes Budget, darf statutengemäß zudem kein Geld in Aktien anlegen und hat den Vertrag mit Großsponsor Raiffeisen bereits im Sommer für zwei Jahre verlängert. Auch vonseiten der Bundesliga bestehen keine großen Befürchtungen. "Es schaut danach aus, dass wir ungeschoren davonkommen", erklärte Bundesliga-Vorstand Georg Pangl.
Harte Zeiten für mittelgroße Sportarten
Für Reinhard Grohs, Experte für Sportsponsoring am Lehrstuhl für Marketing der Universität Wien, ist jedenfalls klar, dass "alle Ereignisse die Krise spüren werden". Grohs prophezeite freilich vor allem den mittelgroßen Sportarten harte Zeiten, während die etablierten Großevents bzw. medial dauerpräsenten Sportarten relativ unbeschädigt durch den Sturm segeln könnten. Denn die Aufwendungen der Sponsoren, die sich im Bereich von 100.000 Euro bewegten, seien relativ groß, die Wirkung aber werde zu wenig abgefragt - das Risiko erscheine demgemäß zu hoch.
In schlechten Zeiten wird mehr gespielt
Aus Sicht der Bundessportorganisation (BSO) fällt der Blick ins Jahr 2009 grundsätzlich unaufgeregt aus. Denn das Budget von rund 60 Millionen Euro, das die BSO verwaltet, ist der Spielfreude der Österreicher zu verdanken. Das Glücksspielgesetz sichert der BSO drei Prozent der Umsatzerlöse der Österreichischen Lotterien.
"Allgemein weiß man, dass mehr gespielt wird, wenn die Zeiten schlechter werden. Da werden wir also eher mehr bekommen, was die Grundausstattung betrifft", vermutete BSO-Präsident Peter Wittmann. Was die Sponsorzuwendungen an die Verbände und Vereine betreffe, gab er sich aber doch besorgt. "Das fängt beim kleinen Verein im Ort an und geht hin bis zum Großsponsor", fürchtet der SP-Nationalratsabgeordnete. Zu weit wolle er sich allerdings nicht aus dem Fenster lehnen: "Zu Tode gejammert ist auch tot, schauen wir, was kommt."
(apa/red)
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