Montag, 29. Dezember 2008

Lampedusa vor dem Kollaps: Tausende afrikanische Boots-Flüchtlinge eingetroffen

  • Süditalienische Insel ist eine beliebte Anlaufstelle
  • Überfahrten in nicht hochseetauglichen Booten

Die süditalienische Insel Lampedusa steht vor dem Kollaps. Seit Weihnachten sind über 2.000 Bootsflüchtlinge aus Afrika gelandet. 1.560 Menschen, darunter viele Minderjährige, sind in das Auffanglager auf der Insel eingepfercht, obwohl das Lager nur für die Unterbringung von 850 Menschen ausgelegt ist. Ein Teil der Flüchtlinge soll in ein Auffanglager in der Nähe der friaulischen Stadt Görz (Gorizia) verlegt werden. Die meisten der Neuankömmlinge stammen aus Nordafrika, besonders aus Tunesien und Marokko.

Am Sonntag erreichten 234 Migranten die Mittelmeerinsel zwischen Sizilien und Tunesien. Ein weiteres Flüchtlingsboot mit 150 Migranten an Bord wurde am Montag 80 Seemeilen von der Insel gesichtet und in Sicherheit gebracht. Die Wetterbedingungen der vergangenen Tage waren für eine Überfahrt günstig, da ruhige See herrschte.

Die Regierungskoalition um Ministerpräsident Silvio Berlusconi beschuldigte Libyen, die abgeschlossenen Immigrationsabkommen zu ignorieren und die Abfahrt Tausender von Migranten zu erlauben. Innenminister Roberto Maroni machte Druck auf Außenminister Franco Frattini, Gespräche mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar Gaddafi zum Thema Immigration zu führen. Tripolis versicherte, dass ab Jänner gemischte Patrouillen die libyschen Küsten kontrollieren würden, um Migrantenfahrten zu verhindern.

Die italienische Opposition setzte die Regierung Berlusconi wegen der Massenankünfte von Migranten arg unter Druck. Die Immigrationspolitik der Mitte-Rechts-Regierung sei gescheitert, betonten Vertreter der Mitte-Links-Allianz.

In diesem Jahr ist die Zahl der Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Italien kamen, im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen. Von Jänner bis Mitte September 2007 waren es laut italienischem Innenministerium 14.200 Menschen, im selben Zeitraum 2008 waren es mehr als 24.200. Immer wieder sterben Menschen bei der lebensgefährlichen Fahrt über das Mittelmeer in nicht hochseetauglichen Fischerbooten.
(apa/red)

29.12.2008 09:49