Donnerstag, 25. Dezember 2008

Österreich auch in Krisenzeiten großzügig:
5,5 Mio. € für "Licht ins Dunkel" gespendet

  • Politiker setzen sich Bekämpfung der Armut zum Ziel
  • Bundesheersoldaten und Prominente im Call Center

Der Spendenmarathon des ORF im Rahmen von "Licht ins Dunkel" hat heuer 5.486.080,97 Euro erbracht, wie die Rundfunkanstalt in einer Aussendung mitteilte. Unter dem Motto "Gemeinsam helfen" konnten am Heiligen Abend demnach "trotz Wirtschaftskrise" rund 475.000 Euro mehr als am Heiligen Abend des Vorjahres für Familien und Kinder in Not gesammelt werden. Politiker, die bei der 31. Sendung "Licht ins Dunkel" auf ORF2 zu Gast waren, darunter als Schirmherr Bundespräsident Heinz Fischer, gingen auf Themen wie Armutsbekämpfung, Mindestsicherung und die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden ein.

Fischer hofft, dass die Mindestsicherung als Mittel zur Armutsbekämpfung im kommenden Jahr umgesetzt wird. Das Thema sei "mit Ernst zu verfolgen", sagte er. Auch mit dem Problem der Jugendarbeitslosigkeit müsse man sich "nachhaltig beschäftigen". Angesichts wirtschaftlicher Einbrüche müsse man "wach sein und vorbereitet sein", zugleich wäre es aber ein Fehler "zu dramatisieren, die Hoffnung fallen zu lassen, nicht doch auch in unsere Fähigkeiten und unsere Kraft vertrauen zu setzen", sagte der Bundespräsident. Österreich sei gut aufgestellt.

Noch deutlicher zur Mindestsicherung äußerte sich Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Diese müsse im Jahr 2009 umgesetzt werden, hielt er im Rahmen der traditionellen Politikerrunde in der ORF-Sendung fest. Zuletzt war Hundstorfer von einer Einführung der Mindestsicherung frühestens 2010 ausgegangen, nicht zuletzt, weil Kärnten schon vor der Nationalratswahl seine Unterschrift unter die dafür erforderliche Vereinbarung zwischen Bund und Ländern verweigert hatte. Er hoffe, dass die Bundesländer ihre "Spielchen" beenden, meinte der Minister nun insbesondere in Richtung Kärnten. Landeshauptmann Gerhard Dörfler bekräftigte indes in den "Salzburger Nachrichten" seinen Wunsch nach einer "Sonderlösung" für sein Bundesland.

Kampf gegen Armut als oberstes Ziel
Bundeskanzler Werner Faymann bezeichnete den Kampf gegen die Armut als "das oberste Ziel": "Wir wissen, dass wir vor einem harten Jahr stehen. Aber wir haben viele Reserven, viel Einsatz, viel Engagement der Bevölkerung gegenzuhalten." Die Politik müsse mit Beschäftigungspolitik, Ausbildungspolitik und "Sicherheitsnetzen" das Ihre beitragen.

Vizekanzler Josef Pröll verwies einerseits auf das Familienpaket der Regierung sowie auf die geplante Steuerreform als direkte Entlastungsmaßnahmen; andererseits sei die neue steuerliche Absetzbarkeit gewisser Spenden eine Signal dafür, "jene Organisationen zu stärken, die direkt Dienst am Menschen tun."

"Armut ist weiblich"
FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache forderte die Politik auf, "ihr soziales Herz auch stärker politisch zu leben" und kritisierte dabei einmal mehr Gebührenerhöhungen vor allem in Wien. "Armut ist auch weiblich", mahnte er zudem. BZÖ-Chef Herbert Scheibner wünschte sich von der Politik ebenfalls, sie möge den Druck, der durch steigende Kosten auf der Bevölkerung liege, "abfedern". Die Grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig zeigte sich vor allem besorgt über steigende Armut bei Kindern und Jugendlichen. Armut sei der "Stachel im Fleisch der Politik, das zu tun, was man tun kann", sagte Glawischnig.

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, der ebenfalls bei "Licht ins Dunkel" zu Gast war, rief am Heiligen Abend zu Nächstenliebe und Solidarität auf. Die von der Bundesregierung am Vortag auf den Weg gebrachte steuerliche Absetzbarkeit von humanitären Spenden ist für Schönborn "zumindest eine Hilfe, dass die Spenden in schwierigen Zeiten nicht abnehmen".

Soldaten und Promis besetzten Call Center
Der "Licht ins Dunkel"-Leiter des ORF, Jörg Ruminak, bedankte sich bei den Spendern. Geschäftsführerin ChristineTschürtz-Kny sprach von einem "großartigen Ergebnis": Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hätten die Menschen gezeigt, "dass Österreich ein Land ist und bleibt, in dem zusammengeholfen wird". Die Aktion begann 1973 im Radio Niederösterreich. Den ganzen Tag nahmen wieder Bundesheersoldaten, unterstützt von zahlreichen Prominenten, telefonisch die Spendenzusagen entgegen. Das bisherige Rekordergebnis belief sich 2006 auf 5.894.198 Euro.
(apa/red)

25.12.2008 09:27