Dienstag, 23. Dezember 2008

Für Europa gilt es sich warm anzuziehen:
Russland beendet "Ära des billigen Gases"

  • Gasexportländer bauen ihre Zusammenarbeit aus
  • Experten befürchten aber keinen großen Preisanstieg

Forum Gasexportierender Länder (GECF) hat eine eigene Satzung verabschiedet und wird seinen Sitz in Katar haben. Das teilte der russische Energieminister Sergej Schmatko nach einem Ministertreffen der Teilnehmerländer in Moskau mit. Laut Ministerpräsident Wladimir Putin müssen sich Verbraucher in Europa dauerhaft auf hohe Gaspreise einstellen.

Im Forum Gasexportierender Länder sind neben Russland und dem Iran zwölf weitere Staaten vertreten. Die Importeure von Erdgas befürchten, das GECF solle zu einem Gaskartell nach dem Vorbild der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) umgebaut werden, um die Preise durch Absprachen in die Höhe treiben zu können. Schmetko und andere Teilnehmer des Moskauer Treffens wiesen das zurück.

Der katarische Energieminister Abdullah bin Hamad el Attijah bestätigte in Moskau, dass Doha zum Sitz der GECF bestimmt wurde. Auch St. Petersburg und Teheran waren im Rennen gewesen. Die "Gas-Troika" aus Russland, dem Iran und Katar verfügt zusammen über etwa 60 Prozent der weltweiten Gasreserven.

"Ära des billigen Gases" vorbei
Putin sagte in einer auf dem Treffen gehaltenen Rede, aufgrund der gestiegenen Kosten für die Gasförderung sei die "Ära des billigen Gases" vorbei. Der russische Energieriese Gazprom liefert etwa ein Viertel des in der Europäischen Union benötigten Erdgases. Österreich deckt 80 Prozent seines Gasbedarfs durch Importe, 20 Prozent stammen aus Eigenförderung. Von den Importen kommen mehr als drei Viertel aus Russland. Deutschland deckt seinen Gasbedarf zu rund 36 Prozent durch Importe aus Russland.

Der Chef der österreichischen Energieregulierungsbehörde E-Control, Walter Boltz, beruhigt: Seiner Ansicht nach sei diese Sorge zumindest vorläufig unbegründet. "Die Gaslieferungen werden ja fast alle in Form von Langzeitlieferverträgen mit fixen Preisen abgeschlossen. Daher würde auch ein Kartell auf diese Weise keinen Einfluss haben und kann daher nur langfristig zu einer Veränderung der Preise führen", sagte Boltz am Dienstag im ORF-"Mittagsjournal".

Minister beruhigt
Auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) glaubt nicht, dass Gas jetzt teurer wird: "Ich würde davon jetzt einmal nicht ausgehen, weil die allgemeine Nachfrageentwicklung aufgrund der Konjunkturentwicklung zurückgeht. Mittelfristig wird keine Preissenkung zustande kommen, aber zumindest Versorgungssicherheit."

Mitterlehner kündigte aber ein gemeinsames Vorgehen der EU an. Es solle geprüft werden, ob das Gas-Kartell rechtlich zulässig ist oder gegen irgendwelche WTO-Regeln verstoße, was er jetzt aber einmal nicht annehme. "Wir werden uns das anschauen und dann versuchen, eine mit der EU-abgestimmte Vorgehensweise zu erreichen."

Auch nach Einschätzung des deutschen Bundesverbandes der Energie-und Wasserwirtschaft (BDEW) dürften die Verbraucher durch langfristige Lieferverträge zwischen den Gasimporteuren und den Förderfirmen in den Produzentenstaaten in den kommenden Jahrzehnten vor übermäßigen Preiserhöhungen geschützt sein. Die Verträge sähen unter anderem eine Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis vor, sagte ein BDEW-Sprecher. Diese Ölpreisbindung schütze vor "ungerechtfertigten Preisvorgaben" aus den Produzentenstaaten."

Erdgas-Kartell
Ein Erdgas-Kartell nach dem Vorbild der OPEC sei "zwar ein schönes Schlagwort, aufgrund der Ölpreisbindung aber gar nicht möglich", sagte der BDEW-Sprecher. Die Förderunternehmen in den Gasexportstaaten hätten selbst ein Interesse an der Preiskopplung und an langfristigen Lieferverträgen. Die Erforschung von Erdgasfeldern und der Bau von tausende Kilometer langen Transport-Pipelines verschlinge Milliarden-Beträge. Für diese Investitionen bräuchten die Gasexporteure verlässliche Einnahmequellen, und diese böten ihnen nur Lieferverträge mit langer Laufzeit.

(apa/red)

23.12.2008 18:57