Sonntag, 28. Dezember 2008

Geheimfavorit Loitzl heiß auf die Tournee:
Steirer reist als 3. der Gesamtwertung an

  • Erster Weltcupsieg lässt aber noch auf sich warten
  • Im Vorjahr Ernüchterung nach guter Ausgangslage

Wolfgang Loitzl hat sich mit zwei zweiten Plätzen in Engelberg zum Geheimfavoriten der Vierschanzen-Tournee gemausert. "Ich bin derzeit in der Form meines Lebens", betonte der 28-Jährige im Vorfeld der 57. Auflage. Einziger Wermutstropfen für den Steirer bleibt der Umstand, dass der "Oldie" im ÖSV-Springerteam auch nach 221 Weltcup-Bewerben weiter ohne Sieg dasteht. "Den ersten Sieg kann ich sowieso nicht planen, irgendwann wird er passieren", sagte Loitzl, der aktuell Dritter der Weltcup-Gesamtwertung ist.

"Ich springe derzeit auf einem sehr guten Niveau, die beiden zweiten Plätze in Engelberg heben mein Selbstvertrauen weiter", meinte der zweifache Familienvater, der bei acht Karriere-Podestplätzen hält. Der mit viermal Gold und einer Bronzemedaille (jeweils im Team) erfolgreichste Österreicher bei Nordischen Ski-Weltmeisterschaften hatte in der laufenden Saison dreimal als Zweiter knapp das Nachsehen, auch in den vier weiteren Bewerben war der Stilist stets in den Top Ten zu finden.

Aufgrund der Spitzenresultate korrigierte Loitzl auch seine Erwartungen für die Tournee nach oben. "Mein Ziel ist ein Platz in den Top Drei der Gesamtwertung. Die Vorzeichen sind gut. Ich weiß, dass ich gut und auch konstant springen kann, was bei der Tournee sehr wichtig ist", erklärte Loitzl. "Die Topfavoriten sind aber der Gregor (Schlierenzauer) und Simon Ammann, ich zähle zum erweiterten Favoritenkreis."

Enttäuschung im Vorjahr
Loitzl war bereits im Vorjahr als Dritter der Gesamtwertung zur Tournee gekommen, als Gesamt-16. (Tagesränge: 6, 10, 8 und 38) konnte er die Erwartungen allerdings nicht erfüllen. "Es haben die absoluten Topsprünge gefehlt", meinte der Steirer. Platz sechs im Vorjahr in Oberstdorf ist sein bisher bestes Tournee-Resultat. "Ich habe bei der Tournee nichts zu verteidigen, das ist ein Vorteil", betonte Loitzl.

Trainer Alexander Pointner ist von der positiven Entwicklung des Bad Mitterndorfers angetan. "Das Können war ja immer da, das ist vor allem eine mentale Geschichte. Neu ist bei ihm der absolute Siegeswille und die Fokussierung auf das Wesentliche", erläuterte Pointner. "Es macht momentan Spaß, ihm zuzuschauen." Auch Thomas Morgenstern zeigte sich angesichts der Hochform des Steirers begeistert. "Er springt momentan saustark, er macht einen extrem sicheren Eindruck und einfach viele Dinge richtig", lobte der Kärntner seinen Teamkollegen.

Nach einem Ski-Markenwechsel habe er im Sommer einige Male "Bauchweh" gehabt, ob die Umstellung auch reibungslos klappen würde. Das sei dank intensiver Arbeit, wie der Saisonauftakt mit Rang zwei in Kuusamo beweist, jedoch bestens geglückt, sagte Loitzl. Nach einem kleinen Durchhänger mit je einem neunten, zehnten und zwei achten Plätzen seien die starken Auftritte in Engelberg im Hinblick auf das erste Saisonhighlight just "zum richtigen Zeitpunkt gekommen".
(apa/red)

28.12.2008 10:53