Samstag, 27. Dezember 2008

Ein Österreicher hilft deutschen Adlern:
Schmitt und Co. dank Schuster im Aufwind

  • 39-jähriger Vorarlberger erster ausländischer Coach
  • Austro-Trainer nennt Top-Ten-Plätze als Tournee-Ziel

Im April hat Werner Schuster als erster Ausländer den Posten als Chefcoach der deutschen Skispringer mit der Mission angetreten, die in den vergangenen Jahren arg gebeutelten DSV-Adler wieder zu alter Stärke zu führen. Vor dem Start der Vierschanzen-Tournee kann der 39-jährige Vorarlberger bereits erste Erfolge in Form von Top-Ten-Plätzen von Martin Schmitt, Michael Uhrmann und Michael Neumayer vorweisen. Vor allem Ex-Weltmeister Schmitt erlebt unter Schuster einen zweiten Frühling und zählt bei der Tournee zu den Podestplatz-Kandidaten.

"Die Dominatoren kommen derzeit nicht aus Deutschland. Die glorreichen Zeiten, die einige noch in den letzten Jahren herbeigehofft haben, sind vorbei", betonte Schuster im Vorfeld der Traditionsveranstaltung. 2001/02 gewann der Deutsche Sven Hannawald als bisher einziger Springer alle vier Tournee-Konkurrenzen. Mit einer gewissen Portion Realismus müsse man nun jedoch erkennen, dass derzeit ein Top-Ten-Platz ein Erfolg für das deutsche Team ist. "Ich will glaubwürdig verkaufen, wo wir momentan stehen", erläutert Schuster.

Deutsch-österreichische Brisanz
Für ihn als Österreicher in Diensten des Erzrivalen sei die deutsch-österreichische Traditionsveranstaltung selbstverständlich zusätzlich brisant. "Ich versuche mich davon loszulösen und mich auf Sachen zu konzentrieren, die ich beeinflussen kann", meinte der DSV-Cheftrainer zum Druck und der Erwartungshaltung im Nachbarland. "Ich bin noch relativ frisch in der Szene, aber im Vergleich zum Vorjahr wird das Ganze in Deutschland schon eine Spur größer werden."

Der ehemalige Weltcup-Springer hatte in der Vorsaison nach Trainerlehrjahren im ÖSV-Nachwuchs und im Schigymnasium Stams die Schweizer Nationalmannschaft um Simon Ammann trainiert, ehe er im März beim DSV einen Langzeitvertrag bis nach den Olympischen Winterspielen in Vancouver unterschrieb. "Wir haben auf allen Ebenen neue Grundlagen geschaffen, damit es Deutschland wieder in die Top Drei der Skisprungnationen schafft", erklärte Schuster.

Seit fast zwei Jahren kein Sieg mehr
Das DSV-Team wartet seit 28. Jänner 2007 auf einen Weltcup-Erfolg, der vierfache Weltmeister und 28-fache Weltcupsieger Schmitt ist sogar seit März 2002 sieglos. Der 30-Jährige hat sich aber mit vierten Rängen in Pragelato und Engelberg den Podestplätzen zuletzt wieder angenähert. "Die Entwicklung von Schmitt ist sehr erfreulich, es macht Freude ihm zuzuschauen", meinte Schuster, der mit seiner Familie in Mieming/Tirol lebt, zu den bisherigen Saison-Leistungen des Routiniers.

Die Tournee-Favoriten kämen aber trotzdem nicht aus Deutschland. "Ammann, Schlierenzauer und zuletzt auch Loitzl sind derzeit eine Nasenlänge voraus. Dahinter gibt es einen Pool von Athleten, die um die Podestplätze mitspringen können. Darunter ist auch Schmitt", lautet die Einschätzung des Kleinwalsertalers. Von ÖSV-Trainer Alexander Pointner und dessen Schützlingen wird Schmitt jedoch zu den Geheimfavoriten gezählt.

(apa/red)

27.12.2008 16:29