Parlamentswahlen in Bangladesch: Linke Awami-Liga von Wajed gelingt Erdrutschsieg
- 255 der 300 Abgeordneten gehen an die Awami-Liga

Bei der Parlamentswahl in Bangladesch hat die frühere Regierungschefin Sheikh Hasina Wajed, Tochter des ermordeten Staatsgründers Mujibur Rahman, einen Erdrutschsieg errungen. Hasinas Awami-Liga komme nach Auszählung der Stimmen in fast allen Wahlbezirken auf eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament. Die Abstimmung sei frei und fair verlaufen. Bangladesch ist damit nach zwei Jahren unter der Führung einer vom Militär beaufsichtigten Notstandsregierung zur Demokratie zurückgekehrt.
Kommissionsmitglied Humayun Kabir erklärte, die Awami-Liga komme auf 261 der 300 Abgeordnetensitze, Hasinas Konkurrentin Begum Khaleda Zia, Witwe des ermordeten Staatschefs General Ziaur Rahman, lediglich auf 30. Die übrigen Sitze gehen an Unabhängige und kleinere Parteien. Die Wahlbeteiligung wahr sehr hoch und lag bei gut 80 Prozent. Zahlreiche frühere Minister aus Zias Regierung verloren ihren Sitz, darunter auch der mit ihr verbündete Chef der islamisch-fundamentalistischen Partei Jamaat-e-Islami, Motiur Rahman Nizami.
Zias Nationale Partei BNP beklagte in 220 Wahllokalen Unregelmäßigkeiten und wollte das Ergebnis anfechten. Eine Gruppe von 65 internationalen Wahlbeobachtern schloss sich jedoch der Bewertung der nationalen Wahlkommission an und sprach von einer weitgehend ordnungsgemäßen Abstimmung.
Historische Abstimmung
Sieben Jahre nach der letzten Parlamentswahl, die in gewaltsamen Protesten endete und zur Machtübernahme des Militärs führte, war die Abstimmung eine der friedlichsten in der Geschichte Bangladeschs. Die 61-jährige Hasina forderte ihre Anhänger am Dienstag auf, den Wahlsieg nicht in den Straßen zu feiern, um Zusammenstöße mit politischen Gegnern zu vermeiden.
Hasina hat im Wahlkampf Inflation und Korruption den Kampf angesagt. Beobachter bezweifeln indes, dass Hasina oder Zia die dringend benötigten Reformen in dem verarmten Staat mit 160 Millionen Einwohnern durchsetzen könnten. Von 1991 bis 2006 waren sie abwechselnd Premierministerinnen: Hasina von 1996 bis 2001, Zia von 1991 bis 1996 und von 2001 bis 2006. Die 15 Jahre der Regierungszeit beider waren geprägt von Korruption, Misswirtschaft und Massenprotesten der jeweiligen Opposition, die das Land lähmten.
Als das Land Anfang 2007 in blutigen Unruhen zwischen Anhängern von Awami-Liga und BNP endgültig zu zerbrechen drohte, übernahm eine vom Militär gestützte Übergangsregierung die Macht. Sie versprach den Wandel und ein Ende der Korruption. Auch Sheikh Hasina und Khaleda Zia mussten vorübergehend ins Gefängnis. Zu den Wahlen wurden sie nach Boykottdrohungen ihrer Parteien jedoch zugelassen. Während des Wahlkampfes gelang es Sheikh Hasina, vor allem junge Menschen zu begeistern. Dabei präsentierte sich sich und ihre Partei zukunftsorientiert und weltoffen. Vor allem ihr Wirtschaftsprogramm und die Forderung nach einer Technologieoffensive für Bangladesch hätten zum Erfolg geführt, meinte ein Journalist in der Hauptstadt Dhaka.
Für die Älteren hingegen ist und bleibt Sheikh Hasina vor allem die Tochter Sheikh Mujibur Rahmans. Der "Vater der Nation" hatte die Awami-Liga gegründet und das damalige Ostpakistan 1971 in einem verlustreichen Sezessionskrieg mit indischer Hilfe in die Unabhängigkeit geführt.
(apa/red)
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