Sonntag, 28. Dezember 2008

Test für die Demokratie nach Ära Kufuor:
Stichwahl entscheidet über den Nachfolger

  • Akufo-Oddo & Atta Mills rittern um Präsidentenamt
  • Ghana: Ausgang der Wahl laut Experten völlig offen

Ghana hat einen Nachfolger für Präsident John Kufuor gewählt. Bei der Stichwahl in der afrikanischen Vorzeigedemokratie traten Nana Akufo-Addo von Kufuors Neuer Patriotischen Partei (NPP) und John Atta-Mills vom oppositionellen Nationalen Demokratischen Kongress (NDC) an, die sich im ersten Wahlgang vor drei Wochen ein enges Rennen geliefert hatten. Die Ergebnisse werden für frühestens Dienstag erwartet.

Akufo-Addo hatte am 7. Dezember mit 49,1 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit knapp verfehlt, Atta-Mills landete mit 47,9 Prozent knapp hinter ihm. Bei der zeitgleich abgehaltenen Parlamentswahl siegte dagegen Atta-Mills' NDC. Der Ausgang der Stichwahl war nach Einschätzung von Experten deshalb völlig offen. Kufuor, der seit 2001 an der Spitze der westafrikanischen Republik steht, durfte nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidieren. Insgesamt waren 12,8 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen.

Der Urnengang gilt als wichtiger Test für die Stabilität der Demokratie in der ehemaligen britischen Kolonie. Auf einem Kontinent, wo Wahlen wie zuletzt in Simbabwe und Kenia oft eine Gewaltspirale nach sich ziehen, war Ghana in den vergangenen Jahren ein rühmliches Gegenbeispiel. Nachdem Anfang Dezember die erste Runde nach Einschätzung internationaler Beobachtern friedlich und transparent verlaufen war, hatten beide Kandidaten im Vorfeld der Stichwahl allerdings harsche Manipulationsvorwürfe gegen den politischen Gegner erhoben.

Signal für andere Staaten
"Wir wollen keinen Betrug", bekräftigte Atta-Mills bei seiner Stimmabgabe. Der scheidende Staatschef Kufuor rief angesichts der aufgeheizten Stimmung am Samstagabend zur Ruhe auf. Der bulgarische EU-Abgeordnete Nickolai Mladenow, der die Beobachtermission der Europäischen Union leitete, sagte, friedliche Wahlen könnten ein Signal für andere westafrikanische Staaten sein.

Wirtschaftlich gut aufgestellt
Auch wirtschaftlich steht Ghana für afrikanische Verhältnisse insgesamt recht gut da. Im vergangenen Jahr wurden vor der Küste große Mengen Erdöl entdeckt. Bereits jetzt bringt der Export von Gold, Kakao, Kaffee, Holz und Diamanten dem Land hohe Millionenbeträge. Dennoch ist der 23 Millionen Einwohner zählende Staat weiter auf Entwicklungshilfe angewiesen. Die Arbeitslosigkeit beträgt zehn Prozent, 40 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten. Der Durchschnittsverdienst liegt bei 3,80 Dollar am Tag.

(apa/red)

28.12.2008 17:11