Montag, 29. Dezember 2008

Israel erklärt Hamas "Krieg ohne Gnade":
Neue Angriffe auf Palästinenser-Gebiete

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  • Operation 'Gegossenes Blei' fordert über 350 Tote
    Hisbollah-Chef Nasrallah ruft zu neuer Intifada auf

Am dritten Tag der Militäroffensive hat Israel der Hamas einen "Krieg ohne Gnade" erklärt. Israel weitete die Angriffe aus und erteilte Forderungen nach einer Waffenruhe eine Absage. Auch ein ranghoher Hamas-Vertreter lehnte Friedensverhandlungen ab. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, Israel führe gegen die palästinensische Organisation einen "Krieg bis zum bitteren Ende". Die Luftangriffe richteten sich nicht gegen das palästinensische Volk, sondern gegen die Hamas, sagte Barak.

Vize-Generalstabschef Dan Harel ergänzte: "Das Schlimmste ist noch nicht ausgestanden, es steht uns noch bevor." Bei den blutigsten Luftangriffen auf das Palästinensergebiet seit 40 Jahren starben bisher mindestens 350 Menschen, wie die palästinensische Gesundheitsbehörde mitteilte. Mindestens 1.650 Menschen wurden demnach verletzt. Ein Sprecher der Hamas-Polizei erklärte, 180 Mitglieder der Sicherheitskräfte seien ums Leben gekommen. Seit Beginn der Operation am Samstag hat die israelische Luftwaffe mehr als 300 Angriffe geflogen. Medien deuteten Truppenbewegungen als Vorbereitung auf eine Bodenoffensive.

Raketen auf Israel
Im Gegenzug feuerten militante Palästinenser binnen drei Tagen nach Armeeangaben mehr als 200 Raketen und Mörsergranaten auf israelische Grenzstädte. Ein israelischer Araber starb dabei durch die Explosion einer Grad-Rakete in Ashkelon. Es war das erste Mal, dass es in dieser Stadt ein Todesopfer infolge von Raketenbeschuss gab.

Eine weitere Grad-Rakete schlug 38 Kilometer vom Gazastreifen entfernt in der israelischen Hafenstadt Ashdod ein und verletzte mindestens eine Person schwer. Mit der höheren Reichweite der Raketen sind jetzt nicht mehr nur 120.000 Israelis, sondern bis zu 300.000 durch Raketen gefährdet. Bereits am Samstag war ein Israeli in der Grenzstadt Netivot bei einem Raketenangriff getötet worden.

Krisentreffen einberufen
Angesichts der kritischen Lage berief der französische Ratsvorsitz für Dienstag ein Krisentreffen der Außenminister der 27 EU-Staaten in Paris ein. Zuvor hatte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy telefonisch mit seinem ägyptischen Amtskollegen Hosni Mubarak über die Situation gesprochen. Anfang Jänner werde Sarkozy im Elysee-Palast auch die israelische Außenministerin Tzipi Livni empfangen, hieß es. Aus diplomatischen Kreisen verlautete, Paris verhandle über eine Feuerpause, um medizinische Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu ermöglichen.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte der internationalen Gemeinschaft mangelndes Engagement im Nahost-Konflikt vorgeworfen und ausdrücklich auch die arabischen Staaten angesprochen. Er habe regionalen Führern in Gesprächen klar gemacht, dass sie "bisher nicht genug" getan hätten, so Ban. Vor der angekündigten Dringlichkeitssitzung (der Arabischen Liga, Anm.) forderte er die arabischen Staaten auf, "schnell und entschieden" zu handeln, um die Lage im Nahen Osten zu verändern. Israel forderte er auf, alle Grenzübergänge zu öffnen, um humanitäre Hilfe in den Gazastreifen zu lassen.

Hmanitäre Hilfe
Laut den israelischen Streitkräften passierten etwa 40 Lastwagen mit Hilfsgütern den einzigen geöffneten Grenzübergang in den Gazastreifen. UNO-Nothilfekoordinator John Holmes nannte die Versorgungslage der Bevölkerung "besorgniserregend". Nach der monatelangen Abriegelung des Gebiets gebe es praktisch keine Vorräte mehr, Hilfslieferungen kämen nur sehr langsam ins Land. So durften seinen Angaben zufolge 60 Laster mit Lebensmitteln und Medikamenten für alle Hilfsorganisationen zusammen passieren, allein das Palästinahilfswerk der UNO, UNRWA, benötige jedoch 100 Getreidelaster pro Tag. "Die Lieferungen bisher sind besser als nichts, aber sie bleiben völlig unzureichend", sagte Holmes.

Auch Ägypten erlaubte mehreren Lastwagen mit Hilfsgütern die Einfahrt in den Grenzübergang Rafah, wo sie entladen werden sollten. Ägypten nahm auch schwerverletzte Palästinenser aus dem Autonomiegebiet auf. Bei Schusswechseln zwischen ägyptischen Sicherheitskräften und Palästinensern entlang der Grenze wurde unterdessen ein Soldat erschossen, fünf Sicherheitskräfte und ein acht Jahre altes ägyptisches Kind wurden verletzt.

Die USA wie Deutschland gaben hingegen der Hamas die alleinige Schuld an der Eskalation. Die Hamas müsse einer nachhaltigen und dauerhaften Waffenruhe zustimmen, erklärte der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, Gordon Johndroe.

(apa/red)

29.12.2008 21:50