Donnerstag, 25. Dezember 2008

Guineas Putschisten jagen ihre Vorgänger:
Junta will der Ex-Regierung habhaft werden

  • Ultimatum an die ehemaligen Regierungsmitglieder
  • 32-köpfige Junta missachtet internationale Proteste

Zwei Tage nach dem Putsch versucht die Junta in Guinea unter Hauptmann Moussa Dadis Camara, ihre Macht in dem westafrikanischen Land zu festigen. In einer in Fernsehen und Rundfunk verlesenen Erklärung forderte das "Nationale Komitee für Demokratie und Entwicklung" in der Nacht alle Generäle und Mitglieder der bisherigen Regierung auf, sich binnen 24 Stunden im Armeehauptquartier in der Hauptstadt Conakry einzufinden. Diejenigen, die sich der Anordnung widersetzten, müssten mit einer landesweiten Fahndung rechnen.

Der Junta gehören 32 Mitglieder an, davon sechs Zivilisten. Unter den 26 Vertretern des Militärs ist nur ein General. Auf einer ersten Pressekonferenz hatte Hauptmann Camara mitgeteilt, dass er ab sofort Präsident Guineas sei. Nach seinen Angaben sind die Mitglieder der bisherigen Regierung offenbar flüchtig. Sie seien unauffindbar. Bis zur Bildung einer neuen Regierung sollen nach dem Willen der Junta die bisherigen Generaldirektoren die Leitung der Ministerien wahrnehmen. Alle geplanten Ausgaben müssten sie sich künftig von der Junta bewilligen lassen, hieß es in der Erklärung.

Teile des Militärs hatten am Dienstagmorgen, nur wenige Stunden nach dem Tod des langjährigen Staatschefs General Lansana Conté, geputscht. Zunächst war unklar, ob sie tatsächlich die Oberhand gewonnen haben. Ministerpräsident Ahmed Tidiane Souare hatte nach dem Putsch zunächst noch versichert, seine Regierung sei weiter im Amt. Seitdem war er jedoch nicht mehr öffentlich aufgetreten.

AU verurteilt Putsch
Die Afrikanische Union (AU) verurteilte die Machtübernahme durch das Militär. Sie drohte nach einer Dringlichkeitssitzung mit "strikten Sanktionen", sollten sich die Putschisten durchsetzen. Die USA drohten mit einer Aussetzung ihrer Entwicklungshilfe, sollte die Macht nicht "so schnell wie möglich" in die Hände einer Zivilregierung zurückgegeben werden. Auch Kanada verurteilte den Putschversuch. Außenminister Lawrence Cannon rief alle Seiten zur Respektierung der Verfassung auf.

Ungeachtet der internationalen Kritik hat der Chef der Putschisten in Guinea seinen Machtanspruch bekräftigt. Er sei der Vorsitzende der neuen Junta und Präsident der westafrikanischen Republik, sagte Hauptmann Moussa Dadis Camara bei seinem ersten Auftritt vor der Presse in der Hauptstadt Conakry.

Die große Unterstützung, die er gerade erst erfahren habe, "spricht für sich selbst", versicherte Camara bei der Pressekonferenz im Armeelager Alfa Yaya, dem größten Militärstützpunkt im Land. Kurz zuvor waren Hunderte aufständische Militärs durch die Straßen von Conakry gezogen und hatten ihren "Sieg" gefeiert.

Conte war seit 1984 an der Macht
Die ehemalige französische Kolonie Guinea wurde 1958 unabhängig, nachdem sie unter ihrem ersten Präsidenten Ahmed Sékou Touré als einzige gegen die Zugehörigkeit zu der von General Charles de Gaulle gegründeten "Communauté Francaise" votiert hatte. Die übrigen französischen Territorien in West- und Äquatorialafrika erhielten 1960 die Unabhängigkeit. Bis zu seinem Tod 1984 regierte der Marxist Sekou Toure autokratisch. Conte putschte sich 1984 an die Macht und ließ sich später in umstrittenen Wahlen im Amt bestätigen. Der Großteil der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.
(apa/red)

25.12.2008 10:43