Dienstag, 23. Dezember 2008

Militärputsch nach Contes Tod in Guinea: Regierung & andere Institutionen aufgelöst

  • Conakry: Präsident war 24 Jahre lang an der Macht
  • Ließ 2007 Kritik an Regierung brutal niederknüppeln

Nach dem Tod des Präsidenten von Guinea, Lansana Conté, hat das Militär offenbar einen Putsch durchgeführt. Die Regierung sowie andere Institutionen der Republik seien aufgelöst, die Verfassung außer Kraft gesetzt, verkündete ein Armeekommandant im staatlichen Rundfunk. Conté war in dem westafrikanischen Land seit 1974 an der Macht gewesen.

Conte sei im Alter von 74 Jahren einer schweren Krankheit erlegen, teilte Parlamentspräsident Aboubacar Sompare in der Nacht im staatlichen Fernsehen mit. Conte war 24 Jahre lang an der Macht. Regierungschef Ahmed Tidiane Souare rief eine 40-tägige Staatstrauer aus.Bereits seit Jahren litt der strenggläubige Muslim an Diabetes und Leukämie und musste häufig zur Behandlung ins Ausland.

Der Oberst hatte sich im April 1984 kurz nach dem Tod des ersten Präsidenten des unabhängigen Guniea, Ahmed Sekou Toure, an die Staatsspitze geputscht. Hoffnungen, die Lage würde sich nach dem Tod des zum Diktator gewandelten "Vaters der Unabhängigkeit" bessern, wurden rasch enttäuscht. Conte stützte sich weiter auf das Militär. 1985 überstand er einen Staatsstreich, 1996 eine Meuterei der Soldaten.

Kritik an seiner Regierung ließ Conte Anfang 2007 gewaltsam niederknüppeln. Bei einer Demonstration gegen hohe Lebenshaltungskosten töteten Sicherheitskräfte fast 190 Menschen. Auch danach ließ er Proteste gewaltsam niederschlagen. Noch im November erschossen Sicherheitskräfte laut Human Rights Watch in einem Vorort der Hauptstadt Conakry mindestens vier Teilnehmer einer Protestkundgebung.

(apa/red)

23.12.2008 09:15