Donnerstag, 25. Dezember 2008

Literaturwelt nimmt Abschied von Pinter: Nobelpreisträger mit 79 Jahren gestorben

  • Der "zornige alte Mann" des britischen Theaters
  • Berühmte Werke: "Moonlight" und "Das Treibhaus"

Harold Pinter ist tot. Der berühmte britische Schriftsteller starb im 79. Lebensjahr, wie seine Ehefrau mitteilte. Pinters größte Auszeichnung war jene mit dem Literaturnobelpreis.

Mit Harold Pinter starb einer der wichtigsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Er galt als der "zornige alte Mann" des britischen Theaters. Nicht nur als Schriftsteller engagierte sich der aus kleinen Verhältnissen im Londoner East End stammende Sohn eines jüdischen Schneiders gegen Unrecht und Unterdrückung. Vehement attackierte Pinter auch immer wieder vehement die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush und des britischen Premiers Tony Blair. Pinter litt seit Jahren an Kehlkopfkrebs.

Sein Leben
Der Schriftsteller, der seine Laufbahn zunächst als Schauspieler bei einem britischen Tourneetheater begann, veröffentlichte 1950 erste Gedichte und debütierte als Dramatiker 1957 mit dem Einakter "Das Zimmer", der in einem ärmlichen Wohnzimmer eines Arbeiterehepaares spielt. Der weltweite Durchbruch gelang ihm mit dem Stück "Der Hausmeister" (1959).

Pinter reflektierte in seinen Stücken den Alltag, wirkliche Menschen, ihre Sprache und ihre Gefühle. So erzählte er in seinem häufig gespielten Stück "Betrayal/Betrogen" (1978) in einfachen Dialogen über eine - seine eigene - Eheaffäre. Kurz zuvor war seine 1956 geschlossene erste Ehe mit der Schauspielerin Vivien Merchant in die Brüche gegangen.

Immer wieder irritierte Pinter sein Publikum mit verstörenden Werken, die aber zugleich für große Theaterabende sorgten. So wurde auch seine Groteske "Moonlight" (1993) mit Erfolg inszeniert. Das Publikum lacht bei Pinter, wie die Rezensenten immer wieder feststellten, am lautesten über sich selbst. Insgesamt hat Pinter 29 Bühnenwerke bis zu seinem Nobelpreis geschrieben, darunter "Die Geburtstagsfeier" (1958), "Das Treibhaus" (1959) und "Die Heimkehr" (1965), sowie auch immer wieder Regie geführt. "Ich glaube, das ist doch eigentlich genug", meinte er in einem Interview. Die großen schriftstellerischen Themen seien ihm inzwischen ausgegangen. Doch Radio-Hörstücke, Drehbücher und kurze Sketche verfasste er auch in jüngerer Zeit.

Seit Ende der 80er Jahre trat der Autor, der 1973 mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet wurde, immer mehr mit politischem Engagement ins Rampenlicht. Ob es um die die NATO-Bombardierung Serbiens, den Golf-Krieg oder die Rechte der Kurden ging - er stand bei Demonstrationen oder Eingaben an die Regierung oft in vorderster Reihe. Das hindert ihn nicht daran, zur High Society zu gehören.

(apa/red)

25.12.2008 16:26

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