Freitag, 19. Dezember 2008

Die Zuckerseite moderner Baukunst: Das hat Biss! Architekten entwerfen Lebkuchenhaus

  • Zeitgenössische "Bauwerke", zum Anbeißen schön!
  • Eat-Art zeichnet fünf österreichische Architekten aus

Architekten entwerfen normalerweise Bauten aus Beton, Stahl oder Glas. Lebkuchenhäuser hingegen sind Sache von Zuckerbäckern. Was allerdings herauskommt, wenn Architekten Lebkuchenhäuser erschaffen, war beim so genannten Eat-Art-Wettbewerb in Nürnberg zu sehen. Fünf Architekturbüros wurden für ihre essbare Kunst ausgezeichnet.

Das Lebkuchenhaus mit klassischem Giebeldach scheint bei den Baumeistern der Moderne verpönt zu sein: Das zeitgenössische Lebkuchenhaus zeichnet sich durch Flachdach, Sternform oder mehrere Etagen aus.

Lebkuchen mal anders: "Lebkugel"
"Der Anreiz für mein Modell war die Statik", sagt die Architektin Susanne Novak aus dem mittelfränkischen Baiersdorf, die mit ihrem "Lebkugel" genannten Entwurf den ersten Preis gewann. Für ihren Wettbewerbsbeitrag hatte sie Lebkuchenplatten gebogen und zu einer Kugel geformt. Das sei eine Herausforderung gewesen, weil der gebackene Lebkuchenteig leicht breche, erzählt Novak. Mit Oblaten kleidete die Architektin die Kugel von innen aus, um ihrem Modell Halt zu geben. Auch bei Häusern aus Beton oder Stahl sei es für sie reizvoll, den Kräften der Natur mit ungewöhnlichen Entwürfen ein Schnäppchen zu schlagen.

Raum für Kreativität
Bauvorschriften und Geldmangel ließen Architekten in ihrem Berufsalltag nur wenig Raum für Kreativität, erläutert der Mitorganisator der Preisvergabe, Jürgen Schlag. Bei dem Lebkuchenhaus-Wettbewerb zum Thema "Neue Konzepte versus Tradition" hätten die Architekten ihren Ideen freien Lauf lassen können. Die Architekten nahmen das Angebot dankbar an: 23 Modelle wurden für den Wettbewerb abgegeben. Prämiert worden sei "die Pfiffigkeit der Ideen", so Schlag.

Zuckersüße Architektur
Als Baumaterial hatten die Teilnehmer je drei Lebkuchenplatten in den Maßen 41 mal 50 Zentimeter erhalten. Hinzufügen durften sie nur essbare Elemente wie Zuckerguss, Bonbons oder ungekochte Nudeln. Weitere Vorgaben für die Gestaltung gab es nicht. Manche Teilnehmer stöhnten, als der Wettbewerb ausgeschrieben wurde, wie Schlag sagt. "Da muss ich ja ein Konzept machen, wie wenn ich ein richtiges Haus bauen würde", habe der eine oder andere Architekt gemeint.

Preisverleihung in der Lebkuchen-Stadt
Die Idee für den Wettbewerb stammt von einer österreichischen Büromöbel-Firma, wie Schlag erläutert. In Deutschland gab es bereits seit dem Jahr 2002 ähnliche Wettbewerbe in München und Stuttgart. Aufgrund des großen Interesses sei der Preis nun auch in Nürnberg ausgelobt worden. Dass der Wettbewerb damit in der wohl berühmtesten deutschen Lebkuchen-Stadt angekommen ist, sei ein schöner Nebeneffekt, sagt Schlag. (apa/red)

19.12.2008 15:31