NEWS-Redakteur Heinz Sichrovsky über die Zeit nach Flimm: Wohin mit Salzburg?

Ehe man das österreichischeste aller Fragepronomen nämlich wer? in Betrieb nimmt, sollte man sich lieber dem unösterreichischesten zuwenden: Was hat man eigentlich mit den Salzburger Festspielen vor, wenn Jürgen Flimm nach dem Sommer 2011 aus dem Amt scheidet? Vermutlich ist die Wirtschaftskrise dann ausgestanden.
Nur: Welche Welt wird sie hinterlassen? Wenn wir Pech haben: eine von Bürgerkriegen verbrannte. Wenn wir Glück haben: eine ernsthaftere, kompetentere, solidarischere. Die Börsenschieber, die Karten à 330 Euro im Dutzend für die Netrebko-Show orderten, Mozarts Figaro meinten und die Netrebko dann nur unscharf im Dunkel ausmachten, sind heute dem Zuchthaus näher als dem Festspielhaus (und könnten da dem einen oder anderen Mäzen begegnen). Man wird also wieder um das kunstsinnige Großbürgertum und das Fachpublikum kämpfen müssen. Kategorie eins wird nicht jünger. Kategorie zwei ist nicht unbedingt finanzmächtig.
Hier wird der wieder gern bemühte Staat zumindest kontingentweise die Preise regulieren müssen. Beiden ist gemeinsam, dass man sie mit Albernheiten wie der diesjährigen Roméo et Juliette-Premiere nicht begeistert. Da bleibt nur: kompromisslos gegen schlechteres Wissen, notfalls auch verstörend, das Beste vom Besten zu bieten. Flimm selbst hat 2008 mit Rusalka gezeigt, wie es geht.
