Mittwoch, 17. Dezember 2008

Hubert Wachter über das erstaunliche Comeback des SPÖ-Promis Karl Schlögl

  • Roter Exminister wieder in – bei der ÖVP

Blamabel für die SPÖ und Faymann-Vize Leitner in NÖ: Die ÖVP suchte sich selbst zwei rote Aufsichtsräte für die Landesbank aus.

Abseits der großen Regierungspolitik, von der es heißt, SPÖ und ÖVP befänden sich auf Kuschelkurs und quasi im großkoalitionären zärtlichen „Honeymoon“, geht es in den unteren Rängen weit weniger harmonisch zu. Wie zuletzt im tiefschwarzen Niederösterreich, wo im Gegensatz zum Bund zwischen Schwarz und Rot die Messer äußerst tief fliegen. Grund: Der junge und aggressive SPÖ-Landesboss Sepp Leitner provoziert Landeschef Erwin Pröll & Co mit oft wenig fundierter, dafür immer schärferer Kritik an der Landes-Hypo-Bank und deren Management. Riskante Finanzgeschäfte. Informationsdefizite. Die Klage wegen Ruf- und Kreditschädigung ist seit wenigen Tagen die Antwort für Leitner.

Aufsichtsrats-Wirbel. Der kürzliche Rücktritt zweier SPÖ-Aufsichtsräte der Bank war Anlass für Landesvize Leitner, die Bank solcherart öffentlich ins Visier zu nehmen. Obwohl beide ausgeschiedenen Aufsichtsräte den eigenen Parteichef darob scharf zurechtwiesen: Seine Vorwürfe seien haltlos, politisch unverantwortlich und schadeten dem Institut. Ihr Ausscheiden hätte lediglich private Gründe, nämlich zu wenig Zeit wegen beruflicher Überlastung.

Blamierter SPÖ-Landeschef. Worauf der Bank-Eigentümervertreter, LH Pröll, eingriff. Mit einer atemberaubenden Volte. Weil sein SP-Vize die beiden Bank-Funktionen nicht sofort nachbesetzte, bestellte Pröll von sich aus zwei SPÖ-Promis: Ex-Innenminister Karl Schlögl, Bürgermeister von Purkersdorf, und SPÖ-Urgestein Karl Sonnweber, Bürgermeister von Guntramsdorf. Eine schallende politische Ohrfeige für SP-Landeschef Leitner! Denn beide lehnen den ruppigen Politstil Leitners, erst seit ein paar Monaten SP-Chef, scharf ab. Besonders Schlögls Bestellung durch die ÖVP ist pikant: Sie kommt „größter Wertschätzung und Anerkennung“ gleich, so Schlögl – während ihn seine eigene Partei, die SPÖ, seit seinem unfreiwilligen Ministerabgang 2000 einfach im Stich ließ…

17.12.2008 16:52