Donnerstag, 18. Dezember 2008

US-Amerikanerin trägt Gesicht einer Toten: Größte Gesichtstransplantation gelungen

  • 80 Prozent des Gesichts nach Verletzung ersetzt
  • Wunden: Frau hatte keine Nase und Gaumen mehr

Amerikanische Chirurgen haben einer Schwerverletzten 80 Prozent ihres Gesichts durch das Gesicht einer wenige Stunden zuvor Verstorbenen ersetzt. Es war die erste derartige Operation in den USA und die vierte weltweit, von denen aber keine derart weit ging.

Das Gesicht war furchterregend, die Verletzungen waren schrecklich: keine Nase, kein Gaumen, keine Möglichkeiten, normal zu essen oder zu atmen. Dank der bisher umfassendsten Gesichtstransplantation weltweit kann die Frau nun auf ein neues Leben hoffen.

"Man braucht ein Gesicht, um der Welt ins Antlitz zu blicken", sagte die Chirurgin Maria Siemionow, die die Operation an der Cleveland Clinic vor zwei Wochen leitete. Als sie ihre Patientin vor einigen Monaten zum ersten Mal sah, wusste sie, dass die völlig entstellte Frau die richtige für die Transplantation war. Vom Gesicht der Betroffenen waren nicht viel mehr übrig als Stirn und Kinn.

Gesundheitszustand
Der Frau gehe es gut und es gebe keine Anzeichen, dass das Gewebe wieder abgestoßen werde, erklärten die Ärzte. Verpflanzt wurden sowohl Knochen, Muskeln, Nerven, Haut und Blutgefäße als auch einige Zähne, erklärte Siemionow vor Journalisten.

Bei der Transplantation habe es sich nicht um eine herkömmliche Schönheitsoperation gehandelt, verteidigte der Ethikbeauftragte der Klinik, Eric Kodish, den Eingriff gegen moralische Bedenken. Die Chirurgen gehen davon aus, dass die Frau wieder allein essen und normal atmen wird können und ihre Mimik wieder zurückgewinnt. Die Identität der Patientin und ihr Alter halten die Ärzte geheim.

Vor drei Jahren hatten französische Ärzte erstmals in der Medizingeschichte einer Frau Teile eines Gesichts eingepflanzt. Die Frau war nach einer Überdosis Schlaftabletten bewusstlos geworden, ihr Hund hatte ihr die untere Gesichtshälfte zerbissen. Zwei weitere Personen unterzogen sich seither Gesichtstransplantationen: ein Chinese, der von einem Bären angegriffen worden war, und ein Europäer, der aufgrund einer genetischen Veranlagung schwer entstellt war.

(apa/red)

18.12.2008 12:05