Brisante Protokolle von Karl Petrikovics: Präsentieren Mitwisser im "Fall Immofinanz"
- Constantia-Vorstände und Schmidt-Chiari beteiligt
- FORMAT: Für Bericht an die FMA Investoren erfunden

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Man kann eine Bank auch totschreiben
Im Wiener Straflandesgericht kam es am 14. November 2008 zum Showdown. Im Zimmer 1068 nahmen sich Staatsanwalt Norbert Haslhofer und Kriminalpolizist Franz Bauer einen prominenten Beschuldigten zur Brust: Karl Petrikovics, 54. In seiner mehrstündigen Einvernahme plauderte der Exchef von Constantia Privatbank (CPB) und Immofinanz wie ein Wasserfall.
Der Inhalt ist im FORMAT exklusiv vorliegenden Protokoll der Beschuldigtenvernehmung in der Strafsache 611 St 25/08x dokumentiert. Petrikovics nennt die Namen von Personen, die nicht nur über die Milliardenspekulationen mit Immofinanz- und Immoeast-Aktien informiert waren, sondern auch über deren spätere Vertuschung. Letztere war nötig, als die Finanzmarktaufsicht (FMA) feststellte, dass die CPB auf riesigen Immo-Paketen saß, die verheimlicht wurden.
Im Zusammenhang mit dem an die FMA im November 2007 zu erstattenden Bericht über angefragte Wertpapiertransaktionen mit Immoeast-Aktien haben wir das Problem einer Überschreitung der Großveranlagungsgrenze befürchtet, sagt Petrikovics bei der Justiz aus. Der Vorstand der Bank (Arco, Gertner und ich) versuchte aus Anlass der FMA-Anfrage (
), Investoren zu finden, die wir der FMA als Interessenten präsentieren konnten. Das Problem der Grenzenüberschreitung musste gelöst werden. Immerhin ist das ein schwerer Verstoß gegen das Bankwesengesetz, der mit Amtsenthebung bestraft wird. Petrikovics gibt zu, dass er und seine CPB-Kollegen Karl Arco und Norbert Gertner bewusst gesetzwidrig agiert haben.
Fingierte Offerte
Doch die drei Bankvorstände gingen noch weiter. Sie fälschten Urkunden. Petrikovics laut Bericht: Alle drei Investoren haben auf unser Ersuchen nur zum Schein Aufträge erstattet. Die entsprechenden Schreiben waren auch rückdatiert. Geschäftsbeziehungen zu diesen Investoren, die durch entsprechende Schreiben dokumentiert werden sollten, gab es real nicht. Diese Investoren waren daher nicht existent, das wirtschaftliche Risiko blieb bei der Bank.
Wer an der Trickserei mitbeteiligt war, gibt Petrikovics ebenfalls offenherzig zu Protokoll: Zwei dieser Investoren stammen aus dem Umfeld unseres Aufsichtsratspräsidenten Prinz Michael von und zu Liechtenstein. Ich habe mit Arco und Gertner diese Angelegenheit mehrfach besprochen. Beide wussten, dass die Schreiben fingiert waren. Der Aufsichtsratspräsident Prinz Liechtenstein und der Eigentümervertreter Guido Schmidt-Chiari wurden von uns in diese eben geschilderte Vorgangsweise auch eingeweiht und informiert.
Verluste als permanentes Thema
Petrikovics weiter: Ich habe im Herbst 2007 erkannt, dass der Bestand von Immoeast-Aktien in der Bank und deren Töchtern aufgrund der sinkenden Kurse Verluste erzeugt. Ab Herbst waren die Verluste ein permanentes Thema im Bankvorstand. Wir haben mit Schmidt-Chiari sowie sicher auch mit Prinz Liechtenstein gesprochen und darüber informiert. (
) Gertner und ich haben wieder Investoren für die verlustreichen Immofinanz-Papiere gesucht und Rudolf Fries und Walter Scherb als Interessenten gefunden. Die Konditionen haben wir mit dem Aufsichtsrat und Eigentümer besprochen. Fries und Co übernahmen die Papiere im Frühjahr 2008. Danach flog die Vertuschung auf. Der Rest wird (Kriminal-)Geschichte.
Von Ashwien Sankholkar

