Freier Markt unter roter Herrschaft: China erlebt seit 30 jahren rasanten Aufschwung
- Hu Jintao lehnt Modell westlicher Demokratie ab
- Volksrepublik entwickelte sich viertgrößten Wirtschaft

30 Jahre nach der Öffnung für Marktreformen hat die chinesische Führung am Donnerstag die rasante Entwicklung ihrer Wirtschaft gefeiert. Präsident Hu Jintao rief in der Großen Halle des Volkes in Peking zu anhaltenden wirtschaftlichen Reformen auf, erteilte aber einem politischen Modell westlicher Demokratien eine Absage.
Seit Beginn der marktwirtschaftlichen Öffnung unter Deng Xiaoping sei die Schaffung und Entwicklung eines Sozialismus mit chinesischen Charakteristika der Hauptgrund für die Errungenschaften und das Gedeihen des Landes, erklärte Hu vor mehr als 6.000 führenden Mitgliedern der Kommunistischen Partei, Abgeordneten und Vertretern der Streitkräfte. "Wir müssen die nutzbringenden Früchte der politischen Errungenschaften der Menschheit einbeziehen, aber wir werden niemals das Modell des westlichen politischen Systems kopieren", sagte Hu in seiner 90-minütigen Ansprache, die landesweit im Fernsehen übertragen wurde.
1978 Grundstein gelegt
Den Grundstein für die marktwirtschaftlichen Reformen legte die Kommunistische Partei am 18. Dezember 1978 mit einem Treffen, bei dem sie zunächst private Landwirtschaft erlaubte. Nach drei Jahrzehnten Planwirtschaft folgten weitere Reformen, und in den vergangenen 30 Jahren erlebte die Volksrepublik dann einen atemberaubenden wirtschaftlichen Aufschwung.
China ist mittlerweile nach den USA, Japan und Deutschland die viertgrößte Volkswirtschaft der Erde. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen liegt derzeit bei rund 19.000 Yuan (1.970 Euro), 1978 waren es 380 Yuan. Dennoch zählt China weiter zu den Schwellenländern. Mehr als 100 Millionen der 1,3 Milliarden Chinesen müssen nach Schätzungen der Weltbank mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. Die Kluft zwischen Arm und Reich könnte sich angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise weiter ausweiten.
Mit Blick auf die Krise betonte Hu, China müsse sich auf weitere Entwicklungsschritte konzentrieren. "Stillstand und Rückschritt wird nur in der Sackgasse enden."
Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung nannte Hu als weitere Leistung der Volksrepublik in den vergangenen 30 Jahren, dass Peking sich "der taiwanesischen Unabhängigkeit" widersetzt habe. Taiwan spaltete sich 1949 im Bürgerkrieg vom Festland ab. China betrachtet den Inselstaat als abtrünnige Provinz.
(apa/red)

