Donnerstag, 18. Dezember 2008

OPEC-Ölhahn kräftig zugedreht: Preise im Tiefflug trotz Drosselung der Produktion

  • Größter einzelner Kürzungsschritt in OPEC-Geschichte
  • Keine Reaktionen wegen Konjunkturaussichten

Die OPEC will angesichts des massiven Preisverfalls beim Öl die Förderung um 2,2 Millionen Barrel pro Tag zurückfahren. Damit sind die Förderländer noch zehn Prozent über ihre vorherigen Ankündigungen hinausgegangen. Es handelt sich um den größten einzelnen Kürzungsschritt in der OPEC-Geschichte. Dennoch rasseln die Ölpreise weiter in den Keller. Der Preis für einen Barrel rutschte unter 40 Dollar und erreichte somit den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren. Der Markt werde von den negativen weltweiten Konjunkturaussichten stärker beeindruckt als von der OPEC-Entscheidung, erklärten Marktbeobachter.

Auch die Nicht-OPEC-Länder Russland und Aserbaidschan wollen nach saudischen Angaben die Produktion zurückfahren. Die OPEC hatte sich in Oran in Algerien zu der Sitzung getroffen, um den Preisverfall beim Öl zu stoppen. Russland nahm an dem Treffen teil, ebenso andere Nicht-OPEC-Länder wie Oman, Aserbaidschan und Syrien.

Alle Länder leiden unter dem Preisrückgang beim Rohöl um rund zwei Drittel innerhalb weniger Monate. Die meisten der Konferenzteilnehmer haben kaum nennenswerte Exportprodukte außer Öl, sodass ihnen die Staatseinnahmen rasant weggebrochen sind.

"Ausreißer" in der OPEC?
Nach Ansicht von Marktbeobachtern ist allerdings offen, ob die OPEC-Mitglieder die nötige Disziplin aufbringen, sich an die beschlossenen Kürzungen zu halten. In der Vergangenheit hatten immer wieder einzelne Mitglieder aus Geldnot mehr Öl gefördert und verkauft als ihnen nach dem OPEC-Schlüssel zusteht. Die OPEC hatte die Produktion in den letzten Monaten bereits zweimal gesenkt, konnte damit aber den Preisverfall nicht stoppen.

Der saudische Ölminister Ali Naimi hatte gesagt, die Kürzung solle zum 1. Jänner in Kraft treten. Ölkenner wieens darauf hin, dass derzeit große Mengen nicht nachgefragtes Rohöl in Tankern auf See oder an Land gelagert seien. Diese Bestände könnten dafür sorgen, dass die Ölmärkte auch nach einer Kürzung noch für Wochen gut versorgt blieben. Ob angesichts der Welt-Rezession möglicherweise die Ölnachfrage schneller fällt, als die OPEC kürzt, bleibt zudem eine offene Frage.

Fortgesetzte Talfahrt
Die Ölpreise haben ihre Talfahrt trotz der OPEC-Entscheidung zur massiven Produktionskürzung fortgesetzt und sind auf vierjährige Tiefststände gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Jänner sank im frühen Handel auf bis zu 39,19 US-Dollar (27,88 Euro). Zuletzt lag der WTI-Preis bei 39,66 Dollar, das waren 40 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent zur Februar-Auslieferung sank um 33 Cent auf 45,20 Dollar.

Am Markt dominierten weiterhin Sorgen um die weltweite Konjunktur, sagten Händler. Die trüben wirtschaftlichen Aussichten ließen eine sehr schwache Ölnachfrage erwarten, was die Preise derzeit stark belaste, hieß es. Selbst die größte Förderkürzung aller Zeiten seitens der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) konnte die Preise nicht stützen. Das mächtige Ölkartell hatte am Mittwoch in Algerien eine weitere Einschränkung der Ölproduktion um 2,2 Millionen Barrel pro Tag beschlossen. Damit hat die OPEC die offiziellen Produktionszahlen seit diesem Herbst um insgesamt 4,2 Millionen Barrel auf nunmehr rund 25 Millionen Barrel pro Tag zurückgenommen.
(apa/red)

18.12.2008 09:00