Behörden klopfen jetzt bei Siemens an:
Korruptionsaffäre kostet eine Milliarde Euro
- Früherer Siemens-Chef Pierer gerät unter Druck
- Konzernführung rechnete mit höheren Geldstrafen

·Stellenabbau kostet Siemens 800 Mio. Euro
16.750 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden
Siemens muss wegen der Schmiergeldaffäre rund eine Milliarde Euro an US-Behörden und die deutsche Justiz zahlen. Die Konzernführung hatte ursprünglich eine weitaus höhere Strafe befürchtet. Zugleich gerät aber der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer durch Dokumente von US-Ermittlern unter Druck. Behörden schließen ein Verfahren gegen ihn nicht aus.
Pierer und andere Ex-Zentralvorstände seien trotz Hinweisen auf Korruptionsfälle im Konzern nicht eingeschritten und den Dingen nicht auf den Grund gegangen, kritisieren US-Ermittler in Untersuchungsdokumenten, die der AP vorliegen.
Verfahren abgeschlossen
An US-Behörden muss Siemens rund 800 Mio. Dollar (rund 600 Mio. Euro) zahlen, wie ein US-Bundesgericht in Washington entschied. Die Münchner Staatsanwaltschaft verhängte einen Bußgeldbescheid in Höhe von 395 Millionen Euro. Damit werde die Verletzung der Aufsichtspflicht des früheren Gesamtvorstandes geahndet, hieß es.
"Heute schließen wir eines der unerfreulichsten Kapitel in der mehr als 160-jährigen Geschichte von Siemens im Wesentlichen ab", sagte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Die Verfahren gegen Siemens als Konzern seien in Deutschland und in den USA abgeschlossen. Verfahren gegen Einzelpersonen seien davon aber unabhängig.
Ex-Boss Pierer unter Druck
Dokumente der US-Ermittler setzen indes Ex-Siemens-Chef Pierer unter Druck. Dem damaligen Zentralvorstand unter Pierers Führung werfen die Ermittler etwa vor, 2004 durch einen Bericht von Anwälten über dubiose Zahlungen und die Existenz von Konten in Liechtenstein informiert worden zu sein. Die US-Justizbehörden schließen ein Verfahren gegen Top-Manager des Unternehmens nicht aus. Das machte der stellvertretende Generalsstaatsanwalt im US-Justizministerium deutlich: "Die Ermittlungen gehen weiter." In einer schriftlichen Erklärung seines Anwalts ließ Pierer mitteilen, er sei von US-Behörden nicht angehört worden.
Staatsanwälte und interne Ermittler haben bei Siemens dubiose Zahlungen in Höhe von 1,4 Mrd. Euro aufgedeckt. Die Schmiergeldaffärte hat den Konzern bisher rund zwei Milliarden Euro gekostet. (apa/red)
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