Spendenmarkt hofft auf neue Ankurbelung:
Vereine steuern bei Gipfel auf Konflikt zu
- Empfindlicher Rückgang der Spenden wird befürchtet
- Fokusierung der Absetzbarkeit unter scharfer Kritik

·Volle Absetzbarkeit bei Spenden gefordert
NGOs wagen Vorstoß vor dem Spendengipfel
·GRAFIK: Spenden und Absetzbarkeit
Das Geldvolumen und der Regierungsvorschlag
Das Sammeln von Spenden ist eine mühevolle Aufgabe, die in der Vorweihnachtszeit auf ihren Höhepunkt zusteuert. Dass es sich dabei um einen Markt handelt, der funktioniert - oder eben nicht funktioniert - wie jeder andere, ist dabei den wenigsten klar. Auch der Spendenmarkt ist hart umkämpft und in Zeiten der Wirtschaftskrise benötigt er staatliche Hilfsmaßnahmen. Zu diesem Zweck hat die Regierungen NGOs eingeladen, um die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden zu vereinbaren.
Die Österreicher sind - zumindest in Zeiten der Prosperität - grundsätzlich ein spendierfreudiges Volk. So werden jährlich etwa 350 Mio. Euro an Spendengeldern gesammelt, wovon geschätzte 20 Prozent in der Vorweihnachtszeit lukriert werden. Laut dem Fundraising Verband Austria kommen 250 bis 300 Millionen Euro der Spenden von Privaten, weitere rund 50 Millionen Euro von Wirtschaftsunternehmen.
Rückgang befürchtet
Doch die NGOs blicken bange in die Zukunft. Inflation und Wirtschaftskrise haben den Spielraum für Spendentätigkeiten deutlich geschmälert. Für 2008 wird ein Spendenrückgang von 10 bis 20 Prozent erwartet.
Dieses Horrorszenario für Wohltätigkeitsorganisationen will nun der neue Finanzminister Einhalt gebieten. Die schon seit langem geforderte steuerliche Absetzbarkeit von Spenden rückt in greifbare Nähe. Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Josef Pröll haben für heute einen Spendengipfel mit den bedeutendsten NGOs angesetzt.
Die möglichen Kosten einer solchen Reform sind schon längst erhoben. Laut einer IHS-Studie von 2004 liegt der zu erwartende Steuerausfall bei 48,8 Mio. Euro. Davon entfallen 33,5 Mio. auf den Bereich der Privatspenden, 15,3 Mio. Euro auf der Unternehmensspenden. Da jedoch durch die Absetzbarkeit mit einem Anstieg des Spendenvolumens gerechnet wird, würde der Wohlfahrtsgewinn den Steuerausfall kompensieren, so die Studie. Dies wäre bereits bei einer durchschnittlichen jährlichen Erhöhung von Privatspenden um 2,5 Prozent, bei Unternehmensspenden um 8,5 Prozent der Fall.
NGOs auf den Barrikaden
Doch die Absetzbarkeit soll mit einem Haken versehen werden. Denn es soll dabei ein deutlicher Fokus auf jene Organisationen gesetzt werden, die im sozialen Bereich aktiv sind. "Unter den Vorzeichen der beginnenden Wirtschaftsflaute erscheint es notwendig, vor allem jene Organisationen zu unterstützen, die Menschen helfen", meinte Josef Pröll.
Diese Ankündigung rief die Hilfsorganisationen auf die Barrikaden: "Hilfe für Menschen in Österreich darf nicht gegen Auslandshilfe, Engagement für Umweltschutz oder Menschenrechte ausgespielt werden", warnte Franz Neunteufl von der Interessensvertretung Österreichischer Gemeinnütziger Vereine. Insbesondere die Umweltschutzorganisationen wittern eine versteckte Attacke von Pröll. Scharfe Kritik kommt von WWF-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger, die dem früheren Umweltminister die "politische Ausgrenzung" der Umwelt- und Tierschutzorganisationen vorwirft.
Der Spendenmarkt benötigt eine kräftige Ankurbelung. Auch in diesem Bereich wird der Ruf nach staatlicher Unterstützung immer lauter. Und auch hier wird um die gerechte Verteilung der Mittel gestritten.
(Sebastian Baryli)
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