Montag, 15. Dezember 2008

Finanzkrise erreicht jetzt auch Logistiker:
Nachlassende Auslastung und Kreditklemme

  • Die Finanzierung ist deutlich schwieriger geworden
  • WTO auf der Suche nach geeigneten Auswegen

Die Finanzkrise hat die heimische Transport- und Logistikbranche erreicht. Heimische Logistiker melden eine nachlassende Auslastung der Transportkapazitäten. Abseits der stotternden Motoren vor allem in großen Volkswirtschaften wie China sei die Finanzierung deutlich schwieriger geworden, erklärte der Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich, Harald Bollmann.

Etwa 90 Prozent der weltweiten Güterströme gelangen per Schiff ans Ziel. Dabei spielten kreditgebende Banken eine wichtige Rolle. Mit den Letters of Credits garantierten die Banken den Verkäufern, dass diese ihr Geld für die Waren erhalten. Dieses gängige Handelsinstrument gerate nun in Gefahr. Die Zahlungssicherheit sei jedoch Voraussetzung dafür, dass die Waren überhaupt den Ursprungshafen verlassen, so der Obmann in einer Aussendung.

Suche nach Auswegen
Mittlerweile sucht die WTO hier auf internationaler Ebene Auswege, fehlen doch gegenwärtig 25 Mrd. US-Dollar (18,7 Mrd. Euro) für Handelskredite. "Hier liegt ein explosiver Faktor, der den Welthandel massiv beeinträchtigen könnte, wenn hier nicht entschieden gegengesteuert und Exportkredite als Garantie zur Verfügung gestellt wird", warnte Bollmann mit Nachdruck.

Die IATA berichtet seit mehreren Monaten über rückläufige Ergebnisse. Die asiatischen Carrier, die für 44,7 Prozent des Volumens stehen, verbuchten zuletzt 11 Prozent weniger Fracht. Die europäischen und nordamerikanischen Airlines verloren 5,4 und 7,6 Prozent. Nur die Anbieter aus dem Mittleren Osten verzeichnen mit plus 1 Prozent einen leichten Zuwachs. Das Wachstum im Containerverkehr dürfte sich 2009 auf 3,5 Prozent halbieren. Nutzkraftfahrzeughersteller melden Absatzrückgänge.

China besonders betroffen
China als Werkbank der Welt ist im Logistiksektor durch den Rückgang der Exporte nach Nordamerika und Europa besonders betroffen, was vor allem die Carrier und Spediteure zu spüren bekommen. Im ersten Halbjahr ist der Containerumschlag in den chinesischen Häfen um 7 Prozentpunkte zurückgegangen. Das hat Auswirkungen auf Europa. In Rotterdam ist der Containerumschlag in den ersten drei Quartalen um 2 Prozent zurückgegangen. Die transportierten Waren werden durch Letter of Credits (LOC) finanziert. Die Banken akzeptieren aber immer seltener Akkreditive im globalen Kreditgeschäft.
(apa/red)

15.12.2008 14:06