Samstag, 20. Dezember 2008

Alfred Ludwig freut sich über neue 'Macht':
Als neuer ÖFB-Generaldirektor abgesegnet

  • Kann 'anders agieren', hat aber 'mehr Verantwortung'
  • Neuer Verbandsboss soll bis 28. Februar feststehen

Die neue Bezeichnung seines Amtes als Generaldirektor des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) hat Alfred Ludwig nicht angestrebt. "Das ist mir wurscht. Ich kann auch mit Vorstand, Geschäftsführer oder nur Herr Ludwig leben", sagte der 58-Jährige, der nach den beschlossenen Änderungen im Verband mit zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet wurde.

Der Wiener verfügt ab sofort im größten Sport-Fachverband Österreichs über noch mehr operative Durchschlagskraft. "Früher haben die Gremien den Verband geführt, jetzt hat der Geschäftsführer freie Hand, aber natürlich nicht in der Sportpolitik oder im Controlling. Ich kann anders agieren als früher, doch ich habe nun auch mehr Verantwortung", erklärte Ludwig.

Neu geschaffene Teilbereiche
Aufgrund der neu geschaffenen Strukturen bietet sich dem 58-Jährigen, der in einigen Wochen einen neuen, auf drei oder vier Jahre befristeten Vertrag bekommt, aber auch die Möglichkeit, Kompetenzen zu verlagern - zu den Leitern der neu geschaffenen drei Teilbereiche Sport, Recht und Administration sowie Finanzen/Organisation. "Und das werde ich auch machen", versprach Ludwig.

Vorwürfe, er habe in der Vergangenheit zu sehr die Kontrolle an sich gerissen, ließ der seit über 27 Jahren beim ÖFB tätige Funktionär nicht gelten. "Es gab Zeiten, da hätte ein freies Arbeiten von gewissen Personen eine Situation ergeben, in der etwas verbockt worden wäre, und dann hätte ich die Krot' fressen müssen."

Mit seinen aktuellen Mitarbeitern soll die Zusammenarbeit allerdings reibungslos verlaufen. Als Chef des Bereichs Sport fungiert weiterhin der Technische Direktor Willi Ruttensteiner, außerdem übernimmt ÖFB-Chefjurist Thomas Hollerer die Abteilung Recht und Administration. Ein Vorsitzender für den Finanzsektor wird noch gesucht, dürfte aber erst bis Ende Jänner feststehen - genauso wie der künftige ÖFB-Präsident. "Wir haben die Strukturen geändert, jetzt sind sinnvolle Gespräche mit potenziellen Kandidaten möglich", sagte Ludwig.

Suche nach neuem Verbandsboss
Der Wahlausschuss-Vorsitzende Herbert Hübel (Salzburger Landeschef) und sein Stellvertreter Leo Windtner (Oberösterreich) sind mit der Suche nach einem neuen Verbandsboss beauftragt, der am 28. Februar bei der Hauptversammlung, auf der auch die Änderungen offiziell beschlossen werden, inthronisiert wird. "Es sollte auf jeden Fall jemand sein, der sich im Fußball auskennt", so die Vorgabe von Ludwig, der weder einen Mann aus dem Bereich der ÖFB-Sponsoren - etwa Raiffeisen - noch einen aktuellen Landesboss als neuen Chef ausschloss.

Der Nachfolger für den im November zurückgetretenen Friedrich Stickler wird künftig nicht nur dem ab sofort auf die Funktionen eines Aufsichtsrats reduzierten Präsidium, sondern auch dem neu installierten Direktorium vorstehen. Im neuen ÖFB-Machtzentrum, in dem Österreichs Jahrhundert-Fußballer Herbert Prohaska laut Ludwig als externer Berater vorgesehen ist, verfügt die Bundesliga über zwei Stimmen (Liga-Präsident Martin Pucher und ein weiterer Vertreter).

Der ÖFB stellt neben dem Präsidenten drei weitere stimmberechtigte Mitglieder, je eines aus den Regionen Ost (Wien, Niederösterreich, Burgenland), Mitte (Steiermark, Kärnten, Oberösterreich) und West (Salzburg, Tirol, Vorarlberg). "Wer diese Plätze einnimmt, müssen sich die jeweiligen Verbände untereinander ausmachen", betonte Ludwig.

ÖFB ist jetzt "schlagkräftiger"
Von der Sinnhaftigkeit der Modifizierungen ist der Generalsekretär überzeugt. "Der ÖFB ist jetzt schlagkräftiger, schneller und, wenn alle mitziehen, effizienter", sagte der Wiener, gab aber auch zu: "Wenn wir in der WM-Qualifikation bisher sieben Punkte gemacht hätten, hätte es die Reformen zum jetzigen Zeitpunkt nicht gegeben, weil dann der öffentliche Druck nicht so groß gewesen wäre." Wunderdinge seien nun dennoch nicht zu erwarten. "Strukturen schießen keine Tore, und man darf die Arbeit eines gesamten Verbandes nicht an der Leistung einer Mannschaft messen."

(apa/red)

20.12.2008 13:05