Mittwoch, 17. Dezember 2008

"Die Formel 1 ist nicht nur Brumm Brumm":
Norbert Haug verteidigt die hohen Kosten

  • F1 für Mercedes-Motorsportchef ein Werbeinstrument
  • Haug plädiert für eine maßvolle Reduktion der Kosten

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hat das Formel-1-Engagement des deutschen Automobilkonzerns trotz der Wirtschaftskrise nachdrücklich verteidigt. "Ein Motorsportengagement soll mit dafür sorgen, dass es mehr Arbeit in den Werken gibt. Das ist ein Animationsinstrument und die Faszination ist noch da. Die überwiegende Zahl der Autofahrer interessiert sich auch für Motorsport", sagte Haug.

"Es ist ja nicht so, dass das Rennteam den Kollegen in der Firma das Geld wegnimmt. Unser Engagement ist keine Geldverschwendungsmaschine, sondern ein Werbeinstrument zur Darstellung unserer Wettbewerbsfähigkeit. Das sehen auch unsere Kunden so", sagte der Motorsportchef in einem Interview der "Frankfurter Rundschau".

Trotz der Notwendigkeit des Sparkurses verteidigte Haug auch die hohen Ausgaben für aus speziellem Material angefertigte Teile. McLaren-Mercedes sei etwa immer dagegen gewesen, dass 24 Stunden im Windkanal gearbeitet werde. "Aber, wenn es erlaubt ist, muss man mitmachen, sonst ist man nicht konkurrenzfähig. Wenn 30.000 Test-Kilometer erlaubt sind und sie fahren nur 10.000, dann verlieren sie die Rennen", sagte Haug. Der Rennstall schöpfe den Regelrahmen aus.

Haug will aber sinnvoll Kosten reduzieren
"Die Formel 1 ist nicht nur Brumm Brumm am Sonntagnachmittag. Rennsport schafft auch Arbeitsplätze. Motorsport sorgt für Umsatz, und das nicht nur an den Rennstrecken", sagte Haug. "Die Formel 1 hilft eine Marke zu promoten und sie hilft nachweislich Autos zu verkaufen. Gebot der Stunde ist, möglichst kritisch alle Ausgaben unter die Lupe zu nehmen und Kosten zu senken ­ und genau das tun wir."

Die Landesregierung von Baden-Württemberg will mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone wegen des gefährdeten Großen Preises von Deutschland 2010 auf dem Hockenheimring verhandeln. Ministerpräsident Günther Oettinger deutete am Dienstag zudem eine finanzielle Beteiligung des Landes zur Rettung des traditionellen Rennens an. Er betonte, dass aber auch die in der Formel 1 engagierten deutschen Automobilhersteller Mercedes und BMW in der Pflicht seien.

Oettinger sagte, Ecclestone könne die Preisschraube nicht ständig weiter nach oben drehen. In diesem Jahr musste die Hockenheimring GmbH ein Minus von 5,3 Millionen Euro verkraften. Da für 2010 mit einem Defizit von etwa sechs Millionen Euro gerechnet wird, erwägt die Stadt Hockenheim als Hauptanteilseigner, auf die Austragung des deutschen Grand Prix zu verzichten.
(apa/red)

17.12.2008 11:10
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