Mittwoch, 17. Dezember 2008

Kuba ist offizielles Mitglied in Rio-Gruppe: Hoffnung auf Ende des US-Embargos besteht

  • Neue Ära Lateinamerikas durch Beitritt zur Rio-Gruppe
  • Ganze Welt hofft auf Veränderungen durch Obama

Kuba ist offiziell als 23. Mitglied in die sogenannte Rio-Gruppe aufgenommen worden. Die Aufnahme erfolgte auf einem kurzen Sondertreffen der fast alle lateinamerikanischen Staaten umfassenden Gruppe am Rande des Lateinamerika-Karibik-Gipfels in Brasilien.

Der mexikanische Präsident und amtierende Vorsitzende der Rio-Gruppe, Felipe Calderón, begrüßte die Aufnahme Kubas. Diese bedeutet einen Schlag gegen die Versuche der USA, den sozialistischen Karibikstaat zu isolieren. Der Gastgeber, der brasilianische Präsident Luiz Inacio, sagte, er hoffe nun darauf, dass der künftige US-Präsident Barack Obama das Embargo gegen Kuba beende. Die US-Sanktionen seien weder politisch noch wirtschaftlich sinnvoll.

Seit 1962 ausgeschlossen
Bereits 1962 war Kuba auf Betreiben der US-Regierung aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) ausgeschlossen worden. Der kubanische Präsident Raúl Castro erklärte, sein Land strebe keinen Beitritt zur OAS an. Kuba gehöre in die Rio-Gruppe und werde weiter dazu gehören. Die Rio-Gruppe wurde 1986 als Konsultationsforum zur Beilegung bewaffneter Konflikte in Mittelamerika gegründet.

Die Vertreter von 33 lateinamerikanischen und karibischen Staaten sprachen sich in einer auf dem Gipfel in Costa do Sauipe im Nordosten Brasiliens verabschiedeten Erklärung gegen die von den USA seit 1962 gegen Kuba verhängte Blockade aus. Amtlichen kubanischen Angaben zufolge kostete das Embargo Havanna 93 Milliarden Dollar (67,9 Mrd. Euro). Castro sprach sich in seiner Rede angesichts einer "ungerechten und egoistischen Weltwirtschaftsordnung im Dienste von Industriestaaten und Multis" für eine stärkere Integration Lateinamerikas aus. Kubas Beitritt zur Rio-Gruppe zeige, dass in Lateinamerika eine neue, unabhängigere Ära heraufziehe.

Hoffnung durch Obama
Der venezolanische Präsident Hugo Chavez erklärte, die Wahl Obamas zum neuen Präsidenten der USA eröffne den Ländern Südamerikas die Chance, mit ihrer eigenen Stimme zu sprechen und Respekt in einem neuen Dialog mit Washington einzufordern. Der bolivianische Präsident Evo Morales, der wie Chavez dem linken Spektrum angehört und ein erklärter Gegner von US-Präsident George W. Bush ist, äußerte die Hoffnung, Obama könne die wirtschaftlichen und politischen Spannungen zwischen den USA und Lateinamerika abbauen. "Die ganze Welt hofft auf Veränderungen", sagt er.

Chavez machte am Rande des Gipfels Witze über den Schuhwurf auf Bush während dessen Irak-Besuchs und äußerte Verständnis für den Angreifer. Er sei zwar dagegen, Menschen mit Schuhen zu bewerfen, sagte Chavez. "Man muss sich aber daran erinnern, dass Bush keine Schuhe auf das irakische Volk geworfen hat, sondern Bomben, Tod und Zerstörung."

Witze über Bush
Bei früherer Gelegenheit hatte Chavez den Zwischenfall lachend als "witzig" kommentiert und in Anspielung auf den irakischen Journalisten, der seine Schuhe bei einer Pressekonferenz in Richtung Bush geworfen hatte, gesagt: "Was für ein Mut!". Später äußerte er sich etwas diplomatischer und fügte hinzu: "Wenigstens hat er ihn nicht getroffen".

Der linksnationalistische Staatschef Venezuelas hatte Bush einmal in einer Rede vor den Vereinten Nationen als "den Teufel" bezeichnet. Nach dem Zwischenfall im Irak erklärte er, eigentlich müsse man Bush gratulieren, denn der habe "noch seine Reflexe". Bush war den heranfliegenden Schuhen ausgewichen.
(apa/red)

17.12.2008 08:29