Dienstag, 16. Dezember 2008

"Schuh-Attentäter" schwer misshandelt: Nun hagelt es Angebote von Fernsehsendern

  • Bruder berichtet von Brüchen und Verletzungen
  • Montasser al Saidi wird in grüner Zone festgehalten

Der wegen seines Schuhwurfs auf US-Präsident Bush weltweit beachtete irakische Fernsehjournalist Montasser al Saidi ist von den irakischen Sicherheitsbehörden offenbar schwer verletzt worden. Wie sein Bruder, der 32-jährige Durgham, der Nachrichtenagentur AFP sagte, wurden Saidi ein Arm und mehrere Rippen gebrochen, zudem erlitt er Verletzungen an einem Auge und an einem Bein.

Sein Bruder werde von Sicherheitskräften des nationalen irakischen Sicherheitsberaters Muaffak el Rubai in der "Grünen Zone" in Bagdad gefangen gehalten, sagte Durgham. Rubai wollte zu den Aussagen nicht Stellung nehmen. Als der 29-jährige Saidi vom Ort des Angriffs abgeführt worden war, waren dort Blutspuren zu sehen.

Neue Angebote
Unterdessen bot der libanesische Fernsehsender New TV (NTV) Saidi in seiner ausgestrahlten Nachrichtensendung eine Stelle an. Er solle "von dem Moment an bezahlt werden, in dem er den (ersten) Schuh warf", sagte die Nachrichtenchefin Fadja Bassi. Zudem sei NTV bereit, die Kaution für Saidis Freilassung und seine Anwaltskosten zu übernehmen. Der Sender ist für seine anti-amerikanische Ausrichtung bekannt.

Der Journalist ist den Justizbehörden in Bagdad überstellt worden. Damit droht ihm ein Strafprozess, wie aus Regierungskreisen verlautete. Unterdessen gingen überall im Irak tausende Menschen zweiten Tag in Folge auf die Straße und forderten die Freilassung des Fernsehreporters, der in der ganzen arabischen Welt zumeist als Held gefeiert wurde.

Von der Laibgarde fetsgehalten
Saidi wurde zunächst von der Leibgarde des Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki festgehalten und später den Streitkräften in Bagdad überstellt. Diese wiederum lieferten ihn Gewährsleuten zufolge an die Justiz aus. Einem solchen Schritt folgt in der Regel ein langwieriges Gerichtsverfahren.

Ein Sprecher des Innenministeriums deutete an, dass Saidi wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsgastes sowie des neben ihm stehenden irakischen Ministerpräsidenten angeklagt werden könnte. Darauf steht die Höchststrafe von zwei Jahren Haft. Demonstranten stellten sich indessen hinter den Schuhwerfer: "Montasser al-Saidi hat genau das Gefühl und das Verlangen des irakischen Volkes angesichts dieser Symbolfigur der Tyrannei zum Ausdruck gebracht", erklärte einer der Protestierenden in den südlichen Stadt Nassiriya.

Auch unter den irakischen Parlamentsabgeordneten fand der Reporter des Senders Al Bagdadiya Fürsprecher. Der irakische Journalistenverband nannte die Aktion zwar "seltsam und unprofessionell", bat den Ministerpräsidenten aber um Gnade für Saidi.
(apa/red)

16.12.2008 15:19