Aktion Scharf gegen die italienische Mafia:
Mehr als 90 Verdächtige in Sizilien verhaftet
- Großrazzien gegen die Bosse mehrerer Mafiafamilien
- Ermittlung gegen Politiker & Unternehmer eingeleitet

·Italienische Polizei
nimmt Mafiabosse fest
24 hochrangige Mafiosi
auf Sizilien aufgespürt
·Dunkle Geschäfte bringen 130 Mrd. Euro
Mafia ist Italiens erfolg- reichstes Unternehmen
·Erfolgreiche Polizei- Razzia gegen Camorra
73 Personen konnten festgenommen werden
·Die Mafia kennt keine
Gnade mit Verrätern
'Gomorrah'-Autor Saviano
soll umgebracht werden
Die italienische Polizei hat bei einer Großrazzia gegen die sizilianische Mafia mehr als 90 Verdächtige festgenommen. Rund 1.200 Polizisten und Hubschrauber waren an dem "Perseus" genannten Großeinsatz in Palermo und anderen Städten Siziliens beteiligt. Die Razzien dauerten noch an, teilten die Carabinieri mit. Die Polizei sprach von einem entscheidenden Schlag gegen die Cosa Nostra und einem der größten Anti-Mafia-Einsätze seit Jahren. Indes wurden in Mittelitalien Ermittlungen gegen unter Korruptionsverdacht stehende Politiker und Unternehmer eingeleitet.
Im Rahmen einer ausgedehnten Anti-Korruptionsrazzia hat die Polizei in der mittelitalienischen Stadt Pescara Ermittlungen gegen 40 Politiker und Unternehmer in die Wege geleitet. Festgenommen wurde auch der Bürgermeister der Stadt Pescara, Luciano D'Alfonso,berichteten italienische Medien. Die Politiker werden beschuldigt, Schmiergelder in Zusammenhang mit Bauaufträgen angenommen zu haben.
Zu den Unternehmern, gegen die ermittelt wird, zählt auch der Bauunternehmer und Präsident der italienischen Fluggesellschaft Air One, Carlo Toto. Er wird beschuldigt, Lokalpolitiker beschmiert zu haben, um Bauaufträge zu erhalten. Die Fluggesellschaft Air One steht vor der Fusion mit der bankrotten Alitalia, was zur Gründung der neuen Airline "Nuova Alitalia" führen wird.
Denaros Pläne durchkreuzt
Der nach dem Held der griechischen Mythologie, der Medusa geköpft hat, "Persus" getaufte Schlag gegen die sizilianische Mafia habe den Wiederaufbau der Cosa Nostra verhindert, sagte der italienische Anti-Mafia-Staatsanwalt Pietro Grasso der Nachrichtenagentur ANSA.
Die Razzien richteten sich gegen die Führer von Familienclans und andere Mafia-Bosse, die eine Kommission zur Festsetzung der künftigen Cosa-Nostra-Strategie einrichten wollten. Diese ranghohe Kommission sollte auch über künftige Anschlagsziele entscheiden. Hinter diesem Vorhaben stehe der flüchtige Mafia-Boss Matteo Messina Denaro, erklärte die Polizei. Messina Denaro ist einer derjenigen, die seit der Festnahme von Bernardo Provenzano 2006 die Führung der Mafia anstreben.
Zuletzt gab es unter dem berüchtigten Mafia-Boss Salvatore "Toto" Riina eine solche die ganze Organisation dirigierende Kommission, der auch die Anschläge gegen die Mafia-Ermittler Giovanni Falcone und Paolo Borsellino 1992 zugeschrieben wurden. Nach Riinas Festnahme 2003 etablierte sich Provenzano als neuer Führer.
(apa/red)
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