NEWS-Redakteur Heinz Sichrovsky über das Debakel des ORF

Darf man als bekennender Weltfremdling sein Erstaunen über Beschaffenheit und Konsequenzen der ORF-Krise formulieren?
1) über den menschenverachtenden Happy Sound aus dem neoliberalen Repertoire, den fast alle Kommentatoren auflegen, um den Verlust von 1.000 Kollegenexistenzen als gesunden Akt des Abspeckens gutzuheißen. Als wären Menschen Fettzellen und biologischer Vertilgung zuzuführen (woran erinnert uns das?).
2) über die Weigerung der, wie man uns belehrt, sozialdemokratisch geführten Regierung, dem ORF beizustehen. Hier wurde vor zwei Jahren eine wirtschaftlich und politisch beruhigend vernetzte Geschäftsführung weggeputscht, um karikaturhaften Erscheinungen wie Gusenbauer und Westenthaler den Wahlkampf zu erleichtern. Folge des auf diese Weise ausgelösten linksrechtspopulistischen Rucks ist eine auch soziale Katastrophe. Wer zieht die Anstifter, die dem qualifizierten Wrabetz zudem etliche dubiose Spartendirektoren oktroyiert haben, zur Verantwortung oder nötigt sie zur Wahrnehmung derselben?
3) über die inhaltliche Beschaffenheit der angedrohten Sanierungsmaßnahmen, etwa die Einstellung des Minderheitenmagazins und die Zerstörung des RSO. Ich kann dergleichen nur als Vorleistungen für die Privatisierung interpretieren. Denn hier wird nicht weniger als der öffentlich-rechtliche Auftrag abgewickelt.
