Hubert Wachter über doch bemerkenswerte Vorgänge in der Kirche Österreichs

Wegen vermeintlicher König-Sünde und vier Bischofsernennungen:
Österreichs Kirche liegt nach wie vor im Richtungskampf.
Christoph Kardinal Schönborn ist umtriebig. Während die Republik mehr oder weniger gelangweilt auf die Regierungsbildung starrte, setzte der Erzbischof dem unter Papst Benedikt XVI. mehr denn je größter Einfluss in der Weltkirche, zumal in Europa, attestiert wird Paukenschläge. Allein, normale heimische Politik deckt vieles, eigentlich alles zu, was in der katholischen Kirche Österreichs vor sich ging und nach wie vor vor sich geht. Dabei, die Akzente sind bemerkenswert.
Schwärende Wunde. Es war in Jerusalem, schon im Frühjahr, als Schönborn vor 170 Bischöfen über Europa und dessen demoskopische Entwicklung zu wenige Kinder referierte. In überraschend klaren Worten: Der Kontinent habe in den letzten 40 Jahren mehrfach Nein zum Leben gesagt, die Papst-Enzyklika Humanae vitae aus 1968 (Paul VI., das Pillenverbot) sei zu wenig ernst genommen worden. Auch in Österreich: durch die Mariatroster Erklärung der damaligen Bischofskonferenz unter Franz Kardinal König, die auf persönliches Gewissen bei künstlicher Empfängsverhütung abzielte. Die Reaktionen waren hart: Schönborn kritisiere König als Sünder, habe sehr unüberlegt gesprochen, sei halt Sprachrohr des Pontifex im Vatikan, fiel man nicht nur daheim, sondern selbst in Deutschland über den Wiener Kardinal her.
Schwärender Konflikt. Dabei Schönborn hat Recht. Europa überaltert. Wer soll so künftig Pensionen, Gesundheitswesen, den Sozialstaat finanzieren? Der Kardinal beteuert, niemanden, schon gar nicht Kardinal König, kritisiert zu haben. Es passt ins Bild, dass er zudem durch vier bevorstehende Bischofs-Neuernennungen (für Iby, Kothgasser, Kapellari, Fischer) im Machtkampf mit dem Vatikan stehe, wie derzeit hochgekocht wird. Fazit: Der überwunden geglaubte Richtungskampf Liberale gegen Konservative in Österreichs Kirche ist noch längst nicht ausgestanden.
