Mittwoch, 10. Dezember 2008

Christian Neuhold: Was Neuhold nervt - Leiharbeiter-Problematik wird ignoriert

Man hat den Eindruck, es gibt sie gar nicht. Zwar sind derzeit bereits 80.000 Österreicherinnen und Österreicher als Leiharbeiter tätig, Tendenz stark steigend. Aber Politik und Sozialpartner verschließen vor dem modernen Arbeits-Sklaventum die Augen. Denn zu günstig scheint für die Wirtschaft das System des Hire & Fire, das dank Leiharbeit auch in einem Land mit strengen Arbeitsmarkt-Regeln wie Österreich möglich ist. Schon jetzt gibt es in vielen Bereichen der Industrie für Jobeinsteiger nur mehr den Weg über die Leiharbeit. Und von der Krise sind die Leiharbeiter – wie auch ein großer Report im aktuellen NEWS zeigt – als erste betroffen. Ein Drittel der 80.000 Leiharbeitskräfte in Österreich ist bereits arbeitslos, und ein weiteres Drittel rechnet täglich mit der Aufkündigung des derzeit gerade aktuellen Beschäftigungsverhältnisses. Was das für die Psyche jedes einzelnen Betroffenen ausmacht kann sich jeder, der selbst schon einmal von Arbeitslosigkeit direkt betroffen war, leicht ausmalen.

Es nervt daher gewaltig, wenn weite Teile der Politik so tun, als gäbe es die Leiharbeiter gar nicht, oder, noch schlimmer, als seien sie eine amorphe Masse an Wanderarbeitern ohne Nationalität und zuhause, die man ja nur feuert um angeblich die Fixarbeitsplätze zu sichern. Nur – in vielen Branchen gibt es eben kaum mehr diese fixen Jobs. Und die betroffenen wohnen in Steyr, Weiz oder Amstetten. Sozialminister Rudolf Hundstorfer überlegt daher eine Stiftung, um arbeitslose Leiharbeiter noch besser zu qualifizieren und ihnen damit den Umstieg zu einem fixen Job zu erleichtern. Es tut richtig gut, dass es auch Politiker mit einem sozialen Gewissen in diesem Land gibt. Es steht zu hoffen, dass diese gute Idee nicht gleich wieder zum ersten Regierungskrach führt und im Gezänk scheitert.

10.12.2008 16:44