Großer Festakt im schwedischen Parlament:
Überreichung des Alternativen Nobelpreises
- An indisches Ehepaar und amerikanische Journalistin
- An die Kölner Ärztin Monika Hauser und an Asha Hagi

Im schwedischen Parlament in Stockholm ist der Alternative Nobelpreis der "Right Livelihood"-Stiftung an vier Preisträger verliehen worden. Die Kölner Ärztin Monika Hauser beklagte in ihrer Rede bei der Entgegennahme der Auszeichnung, dass Vergewaltigung rechtlich nicht als Form der Folter eingestuft werde. Ebenfalls geehrt wurden das indische Ehepaar Krishnammal und Sankaralingam Jagannathan, die US-Nachrichtenmoderatorin Amy Goodman und die Somalierin Asha Hagi.
"Sexuelle Gewalt ist überall und immer eine Ausübung von Macht über ein unschuldiges Opfer. Im Krieg wird das zerstörende Potenzial von sexueller Gewalt vervielfacht", so die 49-jährige Ärztin, die für die Gründung der Hilfsorganisation medica mondiale für Frauen in Kriegsgebieten ausgezeichnet wurde. "Die Nichtanerkennung von Vergewaltigung als eine Form der Folter und eine grobe Verletzung der Menschenrechte erzeugt die Fortsetzung dieser brutalen Handlung."
"Unermüdlicher Einsatz für Frauen
Die Jury der Stiftung begründete die Vergabe an Hauser, die in Innsbruck studiert hatte, mit deren "unermüdlichem Einsatz für Frauen, die in Krisenregionen schrecklichste sexualisierte Gewalt erfahren haben". Die Gynäkologin kämpfe dafür, "ihnen gesellschaftliche Anerkennung und Entschädigung zu verschaffen", erklärte die Stiftung.
Eine weitere Auszeichnung ging an die 1962 geborene somalische Frauenrechtlerin Asha Hagi. "Dieser Preis kommt zu einem sehr prekären Zeitpunkt für diese Nation, in der sich die Situation jeden Tag seit zwei Jahren verschlechtert", so Hagi in ihrer Rede. Die Auszeichnung zeige aber auch, dass Menschlichkeit in Somalia noch existiere. Hagi wurde geehrt, weil sie laut Jury "trotz großen Risikos für sich selbst die Mitwirkung von Frauen im Friedensprozess ihres vom Krieg zerrissenen Landes organisiert und anführt".
Die US-Moderatorin Amy Goodman (51) wurde für ihre tägliche Nachrichtensendung "Democracy Now!" ausgezeichnet. In der Begründung der Jury hieß es, die Sendung sei ein Beispiel "für die Entwicklung eines innovativen Modells eines wahrhaft unabhängigen politischen Journalismus". "Unser Job als Journalisten ist es, mit unseren Stiften, Mikrofonen und Kameras jenen eine Stimme zu geben, die vergessen, aufgegeben oder von den Mächtigen niedergeschlagen worden sind", meinte die Amerikanerin in ihrer Ansprache.
Den vierten Preis erhielten das indische Ehepaar Krishnammal (82) und Sankaralingam Jagannathan (96) und ihre Organisation LAFTI. Die Jury erklärte, beide würden "für ihre lebenslange Arbeit für die Verwirklichung der Vision Mahatma Gandhis von sozialer Gerechtigkeit und nachhaltiger menschlicher Entwicklung" geehrt. LAFTI kämpft um Landrechte für die ärmste Kaste der sogenannten Unberührbaren in Indien. Krishnammal Jagannathan sagte in ihrer Rede, sie sei gesegnet, in Gandhis Gruppe gewesen zu sein.
Soziale Alternative zum Nobelpreis
Die Preisträger teilen sich zwei Millionen Schwedische Kronen (192.031 Euro). Der inoffiziell als "Alternativer Nobelpreis" bezeichnete "Right Livelihood Award" wurde 1980 vom schwedisch-deutschen Publizisten und Berufs-Philatelisten Jakob von Uexküll (64) gestiftet. Er versteht sich als sozial orientierte Alternative zu den traditionellen Nobelpreisen, die nach Meinung des Stifters von westlichen und konservativ orientierten Preisträgern dominiert sind.
Auch zwei Österreichern wurde die Auszeichnung schon verliehen: Der Ökonom Leopold Kohr nahm im Jahr 1983 den Preis entgegen, der Zukunftsforscher Robert Jungk 1986. Beide sind mittlerweile verstorben.
(apa/red)
