Wie das Christkind die Wirtschaft rettet:
Weihnachtsgeschäft als Hoffnungsträger
- Privatkonsum entscheidet über Wirtschaftswachstum
- Erste Adventwochen lassen positive Bilanz erwarten

·Marienfeiertag ließ die Kassen klingeln
Starker Käuferandrang
in den Einkaufszentren
·Positive Bilanz nach 1. Einkaufssamstag
Finanzkrise & Konjunktur trüben Kauflaune nicht
Christkind, komm in unser Haus, pack die großen Taschen aus. Würden Sie glauben, dass die Chefetagen der größten Handelsunternehmen fest mit der Ankunft des Christkinds rechnen? Dass Wirtschaftsforscher und Politiker diesen Weihnachten besonders erwartungsvoll entgegen blicken? Glauben Sie es ruhig: Denn das Christkind soll heuer nicht nur Weihnachten, sondern gleich die ganze Wirtschaft retten.
Diese Hoffnung ist durchaus berechtigt, denn der Privatkonsum spielt in Österreichs Wirtschaft eine entscheidende Rolle. Als Konjunkturmotor, der bis zu 50 Prozent des Wirtschaftswachstums ausmachen kann, erreicht der Privatkonsum jährlich in den letzten Wochen des Jahres seinen Höhepunkt. Im Weihnachtsgeschäft, also dem zusätzlich zum Normalwert in den Wochen vor Weihnachten erzielten Umsatz, erwirtschaftet der Einzelhandel bis zu 40 Prozent des Jahresumsatzes und sogar bis zu drei Viertel des jährlichen Gewinns. Das Verhalten des Konsumenten in diesen Wochen bestimmt, ob Einzelhandelsbetriebe positiv bilanzieren können oder im schlimmsten Fall zusperren müssen.
Mit leichter Verzögerung bekommt natürlich auch die Industrie die Entwicklung des Weihnachtsgeschäfts zu spüren: Bleiben die Waren in den Geschäften liegen, werden keine Bestellungen im Großhandel getätigt, was sich in der Auftragslage der Produzenten niederschlägt. An deren Umsatz hängen wiederum Wirtschaftsleistung und Arbeitsplätze.
Gewinn auch bei ausländischen Erzeugnissen
Geht diese Rechnung auch auf, wenn die Österreicher zu Geschenken greifen, die im Ausland erzeugt wurden? Michael Wüger, Privatkonsum-Experte am WIFO, bestätigt dies gegenüber news.at: Nur insgesamt 10 bis 12 Prozent der Konsumausgaben sind jenen Warengruppen zuzurechnen, die größtenteils im Ausland produziert werden. Und sogar bei diesen Waren werden im Inland eine Werte geschaffen: In der Handelsspanne ist die inländische Wertschöpfung, die beispielsweise im Zwischenhandel stattfindet, berücksichtigt. Außerdem werden inländische Steuern getätigt, erläutert Wüger. Der Weihnachtseinkauf beschert dem Inland zusätzliche Einkünfte und pumpt Geld in den Wirtschaftskreislauf, das die inländische Nachfrage und damit die Gesamtwirtschaft ankurbelt.
Die heimische Wirtschaft dürfte sich daher über den bisherigen Verlauf des Weihnachtsgeschäfts freuen. In Zeiten der Krise sind positive Meldungen wichtiger denn je, um das Vertrauen der Konsumenten in die Wirtschaft zu stärken. Und tatsächlich kann sich der Umsatz in den ersten Wochen sehen lassen: In allen Bundesländern ist man nach den ersten Adventwochenenden auf Kurs, das hervorragende Vorjahresergebnis von insgesamt 1,43 Milliarden Euro zu erreichen. Durchaus vorstellbar, dass man trotz der schlechten Konjunkturaussichten am Ende sogar ein kleines Plus verzeichnen könnte, denn auch der Kalender meint es heuer gut mit dem Weihnachtsgeschäft. Während der besonders umsatzstarke Marienfeiertag im Vorjahr mit einem Einkaufssamstag zusammenfiel, bescherte der Feiertag dem Handel heuer am Montag einen zusätzlichen Einkaufstag, meint Wüger.
Selbst wenn der Tag nicht vor dem Abend gelobt werden soll, darf man also bereits mit vorsichtigen Optimismus auf eine erfreuliche Bilanz des diesjährigen Weihnachtsgeschäftes blicken. Für die gesamte Wirtschaft wäre eine positive Meldung Balsam für die zuletzt stark geschundene Seele. Vielleicht gelingt dem Christkind, was derzeit Regierungen mit aller Gewalt herbeiführen wollen: Die Menschen zum Konsum zu bringen und den Wirtschaftsmotor wieder in Gang zu setzen.
(Stefan Meisterle)

