Donnerstag, 11. Dezember 2008

Post-Gewerkschaft zeigt richtig die Zähne: Briefkästen im Westen bleiben heute leer

  • Unerwarteter Ausstand betrifft Millionen Sendungen
  • Spannend: Aufsichtsrats-Beratungen über Sparpaket

Im Konflikt um die Umstrukturierung der Post AG zeigt die Gewerkschaft erstmals richtig die Zähne. Wie der Vizechef der Post-Gewerkschaft, Manfred Wiedner mitteilte, werden heute in Salzburg, Tirol und Vorarlberg die Briefkästen praktisch leer bleiben. In der Nacht werden die Verteilzentren bestreikt, sodass keine Post in die drei Bundesländer gelangen könne.

Der Ausstand werde "die ganze Nacht bis morgen Vormittag" andauern, sagte Wiedner. Die Zusteller werden daher heute praktisch keine Post zustellen können. Es gehe um "Millionen Sendungen". "Wenn ein Zusteller ausfährt, dann vielleicht um Massensendungen zuzustellen, die von gestern übrig geblieben sind." Man wolle mit dem Ausstand ein Zeichen vor der Aufsichtsratssitzung der Post setzen, bei der über die umstrittenen Einsparungspläne bei dem mehrheitlich staatlichen Dienstleistungskonzern beraten werden soll.

Aktion vorerst auf einen Tag befristet
Laut Wiedner ist die Aktion vorerst auf einen Tag befristet, man behalte sich aber eine Fortsetzung oder Ausweitung der Kampfmaßnahmen vor. Die weitere Vorgangsweise hänge vom Ergebnis des Post-Aufsichtsrats in Wien ab. Die Post-Gewerkschaft befürchtet, dass bereits im kommenden Jahr 300 der 1300 Postämter geschlossen und 600 Mitarbeiter abgebaut werden. Mittelfristig will die Post AG dem Vernehmen nach zwei Drittel aller Postämter schließen und tausende Mitarbeiter abbauen.

Die Streik-Ankündigung Wiedners kam überraschend, da die meisten Beobachter Arbeitsniederlegungen mit flächendeckenden Auswirkungen erst nach dem Sparpaket-Beschluss beim Aufsichtsrat erwartet hatten. Dass die flächendeckenden Streiks ausgerechnet in Westösterreich beginnen, dürfte kein Zufall sein. In Salzburg, Tirol und Vorarlberg haben nämlich die Christgewerkschafter das Sagen, die dem Vernehmen nach eine härtere Gangart im Konflikt mit der Post-Führung fordern als die sozialdemokratische Mehrheitsfraktion unter Gewerkschaftschef Fritz.

Keine Schließungen bis Mitte 2009 laut Faymann
Bundeskanzler Werner Faymann hatte zwar noch in seiner vorherigen Funktion als Infrastrukturminister klargestellt, dass bis Mitte 2009 kein Postamt geschlossen wird, dann könnte es aber Schlag auf Schlag gehen. Die Post hatte zuletzt angekündigt, dass mittelfristig rund zwei Drittel der 1.300 Postämter an Postpartner (Greißler, Tankstellen, etc.) abgegeben werden sollen. Das Problem dabei - neben dem Widerstand aus SPÖ und Gewerkschaften: Ein Großteil der Postler ist beamtet und daher unkündbar. Bleibt also nur der freiwillige Abgang, die natürliche Fluktuation oder eine kräftige Abfertigung ("Golden Handshake") als Mittel zum Personalabbau für die dann überzähligen Mitarbeiter.

Geht es allerdings nach Post-Chef Anton Wais und Telekom-Austria-Boss Boris Nemsic, der mit einem vergleichbaren Beamten-Problematik kämpft, dann sollen gut 3.000 Postler und Telekom-Beschäftigte in eine Arbeitsagentur der Staatsholding ÖIAG wechseln. Kritiker nennen dies "Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren". Befürworter warnen hingegen vor einem "AUA-Schicksal" und meinen, besser jetzt eine Arbeitsagentur gründen als später einen Notverkauf durchführen.

(apa/red)

11.12.2008 07:42