Keine Einigung bei "Post-Causa" in Sicht:
Warnstreiks könnten erst der Anfang sein
- Post-Aufsichtsrat für die Fortsetzung entscheidend
- WKÖ-Chef Leitl fordert rasche Verhandlungslösung
UMFRAGE: Halten Sie den Streik für gerechtfertigt?

Die Post-Gewerkschaft droht mit einer Ausweitung ihres Arbeitsausstandes und lässt offen, ob der begonnene Warnstreik fortgesetzt wird. Die Belegschafts-Vertretung sieht sich jedenfalls indirekt von Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl unterstützt. Dieser hatte eine Verhandlungslösung eingefordert - allerdings von der Gewerkschaft selbst.
Dabei laufe Leitl jedoch offene Türen ein, denn die Gewerkschaft plädiere schon lange für eine Einigung über Verhandlungen, doch der Postvorstand betreibe Gesprächsverweigerung, so die Replik des obersten Post-Gewerkschafters Gerhard Fritz.
Gewerkschaft gegen "Salamitaktik"
Demnach habe der Vorstand bereits am 3. Dezember einen Verhandlungsvorschlag erhalten, der bis jetzt unbeantwortet geblieben sei. Seit 24. November habe es überhaupt keine Gespräche gegeben. Die Post-Gewerkschafter befürchten, dass das Management nach Widerstand durch Bundeskanzler Werner Faymann nun mit einer "Salamitaktik" die ursprünglich in einem Strategiepapier für sechs Jahre geplanten 1.000 Postämterschließungen und den Abbau von 9.000 Mitarbeitern "durch die Hintertür" umsetzen will.
Streik-Strategie vor Post-Aufsichtsrat offen
Wie berichtet gab es nach einem "Postgipfel" Mitte November zwischen Regierung, Management und Belegschaftsvertretern die Zusage von Postchef Anton Wais, dass das durch Indiskretion bekannt gewordene Strategiepapier vom Tisch ist und der Vorstand nun die Ziele jährlich neu festlegt. Für das kommende Jahr soll dies beim Post-Aufsichtsrat erfolgen.
Vor der Aufsichtsratssitzung gibt es eine Protestveranstaltung und danach eine Personalvertreter-Versammlung. Wie es weitergeht, will die Post-Gewerkschaft Anfang nächster Woche bekannt geben. Unterstützung im Arbeitskampf kommt von der neuen ÖGB-Spitze. Gewerkschafts-Präsident Erich Foglar erklärte in einer Aussendung die "volle Solidarität" des Gewerkschaftsbundes. Er erinnerte daran, dass der ÖGB bereits in der Vorwoche "allfälligen Kampfmaßnahmen" zugestimmt hätte.
Ob die Warnstreiks weitergehen, wollte Fritz nicht verraten. Dass die Protestmaßnahmen regional sehr unterschiedlich verliefen - von Komplettsperrung über einige Stunden bis zum ganzen Tag bis hin zu Infoveranstaltungen vor den Postämtern mit normalen Postbetrieb - begründete Fritz mit der Eigenständigkeit der Mitarbeiter in den Regionen. Das Unternehmen selbst zeigte sich bisher von den gewerkschaftlichen Maßnahmen kaum beeindruckt. Aber natürlich sei es bedauerlich, wenn Kundenwünsche nicht erfüllt werden könnten.
Unterschiedliche Auffassung von Warnstreik
Nach Darstellung der Post AG handelt es sich bei der Aktion um keine Protestmaßnahme, die großflächig durch die Belegschaft getragen wird, sondern lediglich um eine Aktion der Betriebsrates. In den "bestreikten" Postämtern würde vielfach regulär gearbeitet, während davor Infoveranstaltungen des Betriebsrates stattfänden. Die Brief- und Paketlogistik würde jedenfalls weiter reibungslos laufen. Wie viele Kunden ihre Post nicht in den Ämtern abgeben konnten, lasse sich derzeit nicht beziffern, so Post-Sprecher Michael Homola.
Ein Augenschein in den Bundesländern zeigt, dass der Warnstreik in den einzelnen Bundesländern nicht einheitlich umgesetzt wurde. Während etwa in Salzburg rund 100 Bedienstete von 16 Postämtern tatsächlich vorübergehend die Arbeit niederlegten, blieb in Kärnten keine der sechs bestreikten Filialen geschlossen - Streikposten der Gewerkschaft versuchten lediglich, Kunden den Zutritt zu den Filialen zu verwehren, was ihnen aber nicht immer gelang. Betroffene Post-Kunden zeigten vielfach Verständnis für den Warnstreik. (apa/red)

