Konjunkturlage für Österreich "sehr ernst":
Rezession bringt 2009 hohe Arbeitslosigkeit
- Reales Bruttoinlandsprodukt soll 0,3 % schrumpfen
- 45.000 Arbeitslose in nächsten Jahren zu erwarten
·Weltweit massiver
Arbeitsplatzabbau
Immer mehr Konzerne kündigen Entlassungen an
·Erst 2011 EU mit positivem Wachstum
Juncker rechnet mit einer
"tiefen Wirtschaftskrise"

Die österreichische Wirtschaft erleidet im nächsten Jahr laut der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) einen deutlichen Einbruch und fällt in eine Rezession. Damit ist ein hoher Anstieg der Arbeitslosigkeit verbunden. Der Abschwung sei aber nicht mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 zu vergleichen, betonte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny. Im Jahr 2010 soll Österreichs Wirtschaft dann - gestützt von der erwarteten weltweiten Erholung - wieder wachsen.
Die im Juni veröffentlichte Prognose für 2008 bis 2010 wurde von der OeNB nun "markant" zurückgenommen: Mit Stand Anfang Dezember wird für 2008 nun nur mehr ein BIP-Wachstum von 1,6 Prozent (Juni-Prognose: 2,2 Prozent), für 2009 eine Schrumpfung von 0,3 Prozent (Juni-Prognose: +1,7 Prozent) und für 2010 ein leichtes Wachstum von +0,8 Prozent (Juni-Prognose: +2,4 Prozent) erwartet. Hier sind allerdings noch nicht die geplanten konjunkturstützenden Maßnahmen wie Steuerreform und Konjunkturpakete einberechnet.
Kein Vergleich mit Weltwirtschaftskrise
"Es ist völlig überzogen, den Abschwung mit der Weltwirtschaftskrise von 1929/1930 zu vergleichen", warnte der Notenbankgouverneur vor Übertreibungen. Allerdings habe es in Österreich in der Nachkriegszeit erst einmal eine Schrumpfung des BIP gegeben, nämlich im Jahr 1975.
An der Inflationsfront kommt es zu einer deutlichen Entspannung. "Eine Deflationsgefahr sehen wir nicht", betonte Nowotny. Als positive Faktoren der Prognose nennt die Nationalbank die sinkenden Rohstoffpreise und den niedrigeren Eurowechselkurs.
Anstieg der Arbeitslosigkeit
Die Auswirkung am Arbeitsmarkt setze zeitverzögert erst 2010 mit einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent ein. Der erwartete Aufschwung werde getragen von der gesamtwirtschaftlichen Erholung. Dabei werden die USA sich vermutlich schneller erholen als der Euro-Raum.
Das Beschäftigungswachstum wird laut der OeNB-Prognose 2009 auf 0,2 Prozent zurückgehen, während die Anzahl der Arbeitslosen in den Jahren 2009 und 2010 um insgesamt rund 45.000 steigen dürfte. Die Arbeitslosenquote laut Eurostat wird sich laut OeNB von derzeit etwa drei Prozent auf 4,2 Prozent (2009) erhöhen.
45.000 Arbeitslose mehr "Oberkante"
Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) hält die von der Nationalbank mit 45.000 zusätzlichen Arbeitslosen 2009 und 2010 nach oben revidierte Prognose für eine "Oberkante". In der Fernsehsendung "Report" des ORF sagte Hundstorfer, es gehe darum, den Zuwachs an Beschäftigungslosen zu dämpfen. Was die Lehrlinge betrifft, müsse es im nächsten Jahr für 14.000 Jugendliche eine Ausbildungsgarantie geben. Von einer Mehrwertsteuer-Halbierung als eine Maßnahme gegen die Konjunkturkrise hält Hundstorfer nchts.
Was die Finanzkrise betrifft, besteht laut Hundstorfer die Gefahr, dass es hier zu einer weltweiten Krise kommt. Als Nationalstaat könne man mit raschen Konjunkturprogrammen helfen. Aber man dürfe die Krise nicht schönreden.
(apa/red)

