Sonntag, 14. Dezember 2008

Späte Tore beim 2:0-Erfolg im "El Clasico":
FC Barcelona siegt mit dem letzten Atemzug

  • Eto'o und Messi trafen zum verdienten Sieg über Real
  • Barca in der Tabelle nun zwölf Punkte vor Madrid

Ex-Trainer Bernd Schuster hat Recht behalten: Real Madrid hatte im Giganten-Duell beim Erzrivalen FC Barcelona keine Siegchance und kassierte eine verdiente 0:2-Niederlage. Mit ihrem neuen Trainer Juande Ramos, der den Deutschen Schuster erst vier Tage vor dem Klassiker des spanischen Fußballs abgelöst hatte, hielten die Madrilenen dank Schlussmann Iker Casillas aber immerhin 80 Minuten dem Druck der Blau-Roten stand. Erst in der Schlussphase erzielte Samuel Eto'o (83.) Barcas überfällige Führung, Lionel Messi erhöhte in der Nachspielzeit praktisch mit dem Schlusspfiff auf 2:0 für den Spitzenreiter der Primera Division.

"Barca schießt Real aus dem Rennen um den Titel", jubelte das in Barcelona erscheinende Fachblatt "Sport" am Sonntag. Die Katalanen bauten vier Runden vor dem Ende der ersten Meisterschaftshälfte ihren Vorsprung auf die "Königlichen" aus Madrid auf zwölf Punkte aus. "Nun hilft Real nur noch ein Wunder", titelte das Sportblatt "Marca". Noch nie in der Geschichte der Liga hat bisher ein Club einen solchen Rückstand aufholen und am Ende doch noch Meister werden können.

Der Titelverteidiger scheint aber an Wunder zu glauben. "Die Saison ist noch lange, wir geben den Kampf um die Meisterschaft nicht auf", meinte Reals Sportdirektor Pedja Mijatovic trotzig. Die 96.000 Fans im Camp Nou feierten dagegen Barcas Derby-Sieg wie einen vorzeitigen Titelgewinn. Coach Josep Guardiola wird sich nun für den Rest der Saison damit herumplagen müssen, die Euphorie in den eigenen Reihen zu bekämpfen. "Wie schaffe ich es nur, dass unsere Leute mit den Füßen auf dem Boden bleiben?", fragte er sich bereits. Auch Barca-Präsident Joan Laporta blieb trotz des 2:0-Triumphs skeptisch: "Für mich ist Real aus dem Titelrennen noch nicht ausgeschieden."

Real mit Manndeckung
Die Katalanen konnten gegen Reals Defensivtaktik nicht wie gewohnt ihr mitreißendes Kombinationsspiel zelebrieren. Statt einer Fußball-Gala gelang ihnen im Dauerregen nur ein mühevoller Arbeitssieg. Real-Trainer Ramos hatte zu einem taktischen Mittel aus der grauen Vorzeit des Fußballs gegriffen: Er ließ Barcas Spielmacher Xavi sowie die Stürmer Messi, Eto'o und Henry in Manndeckung nehmen.

Allerdings mussten die Madrilenen sich vorhalten lassen, Barcas Dribbelkünstler Messi mit allzu rustikalen Mitteln den Schneid abgekauft und sich in der Abwehr eingeigelt zu haben, wie dies im Camp Nou sonst die Abstiegskandidaten aus der Provinz tun. "Ein solch defensives Real habe ich noch nie gesehen", wunderte sich Xavi. Die Zeitung "El País" merkte an: "In Spanien heiligt der Zweck nicht die Mittel. Zustände wie in Italien lassen wir nicht durchgehen."

Dennoch hätte Real mit etwas Glück in Barcelona punkten können. Royston Drenthe scheiterte vor der Pause kläglich an Barca-Tormann Víctor Valdes. Und als Casillas 20 Minuten vor dem Ende einen Elfmeter von Eto'o abwehrte (70.), schien die Moral der Katalanen gebrochen. Aber Eto'o machte im Anschluss an einen Eckball seinen Fehler wett und knackte die Mauer der Madrilenen.
(apa/red)

14.12.2008 14:31