Mittwoch, 10. Dezember 2008

Hickersberger folgt dem Ruf der Wüste:
Ex-Teamchef wird neuer Trainer Al Wahdas

  • 60-Jähriger unterzeichnete Vertrag in Abu Dhabi
  • 'Hicke' fand kritische Worte für Österreichs Fußball

Josef Hickersberger, der am 23. Juni seinen Abschied als ÖFB-Teamchef verkündete und sich Ende September mit seinem bisherigen Arbeitgeber über die vorzeitige Auflösung seines ursprünglich bis Jahresende laufenden Vertrages geeinigt hat, befindet sich wieder im Fußball-Geschäft. Der Niederösterreicher unterschrieb in den Vereinigten Arabischen Emiraten für den FC Al Wahda Abu Dhabi einen vorerst bis Sommer gültigen Kontrakt.

"Ich bin froh, wieder einen Trainerjob zu haben", sagte Hickersberger im Gespräch mit der Tageszeitung "Kurier". Sein Vorgänger Ahmad Abdul Haleem war nach einer Reihe von schlechten Resultaten in der Vorwoche zurückgetreten. "Hicke", einer der wenigen Österreicher, die sowohl als Teamchef (1990 in Italien) und als Spieler (1978 in Argentinien) an einer WM-Endrunde teilgenommen haben, bezeichnete die Aufgabe als "schwierig".

FC Al Wahda, laut dem neuen Cheftrainer aus Österreich "der am besten geführte Verein", hat im Vorjahr das Semifinale der afrikanischen Champions League erreicht und scheint in der nationalen Tabelle nach acht Runden (zuletzt 1:2 auswärts gegen Al Shabab Dubai) mit zehn Punkten Rückstand auf dem vierten Platz auf. Hickersbergers Premiere geht am Samstag daheim gegen Ajman über die Bühne. Bis Weihnachten sind dann noch zwei weitere Partien (19.12. auswärts Al Nasr Dubai und 24.12. daheim Al Khalley Khor Fakkan) auf dem Programm.

Kritische Worte für Österreichs Fußball
Das Neue Jahr beginnt für Al Wahda, den Ex-Meister, am 2. Jänner mit dem Heimspiel gegen Al Sharjah. Hickersberger wird also in der warmen Golfregion, in die es ihn bisher immer wieder gezogen hat und wo er mit mit Al Ahli Manama in Bahrain und Al Ittehad in Katar Meister wurde, überwintern und seine Freizeit auch zum Golfen nützen. Am nötigen Kleingeld wird es dem Brückner-Vorgänger, der in Abu Dhabi über einen Großkader mit fünf Ausländern verfügt, auch nicht mangeln. Die Scheichs lassen dank ihrer Ölquellen gerne Petro-Dollars für den Fußball rollen.

Hickersberger, dessen zweite Ära als ÖFB-Teamchef im Jänner 2006 begonnen hat und nach der EM im eigenen Land im Sommer 2008 endete, verdient nun sicher mehr als der Dolmetsch von Guus Hiddink, des russischen Teamchefs. "Der hatte als Überstzer des netto, was ich beim ÖFB brutto gekriegt habe", gestand der Österreicher dem "Kurier". Er, "Hicke" hätte gerne mit dem Nationalteam weiter gemacht. "Aber das geht nicht, wenn immer falsche Ziele gesetzt werden." Elementarer Fehler des heimischen Fußball sei folgender: "Nach guten Spielen verlieren wir den Boden unter den Füßen und beurteilen die Spiele als Weltklasse, die im Ergebnis sensationell sind, nicht aber in der Qualität."
(apa/red)

10.12.2008 14:16