Mittwoch, 10. Dezember 2008

Real Madrid entlässt Coach Bernd Schuster:
Juande Ramos neuer Trainer der Königlichen

  • Spanier war zuletzt Coach von Sevilla & Tottenham
  • 4,5 Millionen Euro Abfindung für Schuster kolportiert

Die Tage von Bernd Schuster als Trainer des spanischen Fußball-Meisters Real Madrid sind wenig überraschend endgültig vorbei. Nachdem der Deutsche zuletzt öffentlich erklärt hatte, im Titelrennen mit dem Erzrivalen FC Barcelona klar im Hintertreffen zu liegen, folgte einen Tag vor dem Champions-League-Heimspiel gegen Zenit St. Petersburg, die Reaktion des Clubs. Schuster wurde mit sofortiger Wirkung entlassen, als Nachfolger wurde der ehemalige Sevilla-Coach Juande Ramos präsentiert.

Sportdirektor Pedja Mijatovic soll Real-Präsident Ramon Calderon laut spanischen Medienberichten die sofortige Entlassung Schusters vorgeschlagen haben. Vor vollendete Tatsachen gestellt, habe Schuster die Entscheidung des Clubs laut Mijatovic "mit einer gewissen Traurigkeit akzeptiert". Nachfolger Ramos war Ende Oktober als Trainer der Tottenham Hotspurs entlassen worden, mit dem FC Sevilla hatte der 54-Jährige zuvor in zwei Jahre fünf Trophäen, darunter zweimal in Folge den UEFA-Cup, gewonnen. Ramos, der nur einen Sechs-Monate-Vertrag bis Saisonende erhielt, soll bereits gegen Zenit auf der Bank der "Königlichen" Platz nehmen.

Der regierende Meister Real rangiert auch wegen einer anhaltenden Verletzungsmisere in der Primera Division bereits neun Punkte hinter Spitzenreiter FC Barcelona auf Platz fünf. Dem bereits seit Wochen mit Rücktrittsaufforderungen konfrontierten 48-Jährigen wurden nun wohl seine zuletzt getätigten Äußerungen zum Verhängnis.

Schuster malte vor "El Clasico" schwarz
Schuster hatte nach einem 3:4 gegen Sevilla von einer ausweglosen Situation vor dem "Clasico" gegen Barcelona gesprochen. "Es ist unmöglich, im Camp Nou zu gewinnen", hatte er erklärt. Diese Mutlosigkeit brachte ihm heftige Kritik von der Presse ein. Auch Kapitän Raul widersprach seinem Trainer. "Unsere Mannschaft ist überzeugt, dass wir im Camp Nou gewinnen können", wurde das Real-Idol nach Presseberichten vom Dienstag zitiert. Schuster habe den Spielern in einer internen Besprechung versichert, "dass wir jeden Gegner schlagen können".

Auch könnte der Rauswurf des "Blonden Engels" als Schachzug von Calderon gelten. Schließlich konzentrierte sich die Wut der Real-Fans zuletzt immer mehr auf den Präsidenten, denn auf das Team. Schon an der Mitgliederversammlung am Sonntagvormittag, als Calderon das Budget für die kommende Saison nur mit Mühe durchbrachte, hatten "Calderon raus"-Rufe für Aufsehen gesorgt.

Schuster, als Spieler mit Real zweimal Meister, war am 9. Juli 2007 offiziell als Nachfolger des Italieners Fabio Capello vorgestellt worden. Noch im Sommer war er nach dem Meistertitel als Spaniens "Trainer des Jahres 2007" gefeiert worden. In Spanien hatte Schuster vor dem Engagement bei den Madrilenen bereits Deportivo Xerez (2001 bis 2003), UD Levante (2004 bis 2005) und den FC Getafe (2005 bis 2007) betreut. Bei Real wäre er noch bis Juni 2010 unter Vertrag gestanden, sein Vertrag wurde laut Mijatovic aufgelöst.

4,5 Millionen Euro Abfindung
Bernd Schuster dürfte eine Abfindung in der Höhe von 4,5 Millionen Euro erhalten. Der Kontrakt des deutschen Coach bei den Königlichen wäre noch bis 2010 gelaufen. Sein Nachfolger Juande Ramos soll für seinen Sechs-Monate-Vertrag bis Saisonende rund eine Million Euro verdienen.
(apa/red)

10.12.2008 12:10