Montag, 8. Dezember 2008

Zwiespältige Bilanz der Damen in Übersee:
Kein Sieg & 3 Podestplätze stehen zu Buche

  • Lindsey Vonn verlässt ihre Heimat als Spitzenreiterin
  • Götschl bleibt erstmals in Nordamerika ohne Punkte

Kein Sieg, aber immerhin drei Podestplätze in vier Rennen. Das war die Bilanz der ÖSV-Damen bei der diesjährigen Nordamerika-Tournee, die nach der Absage einer Abfahrt lediglich vier Rennen in Aspen und Lake Louise umfasst hat. Als Erste war Lindsey Vonn nach Nordamerika geflogen, als noch klarer Führende kommt die bei 358 Punkten haltende US-Titelverteidigerin zurück zu den Vorweihnachts-Rennen in Europa, wo es diese Woche mit Riesentorlauf und Slalom in Spanien (La Molina) weitergeht.

Beste Österreicherin in der Gesamtwertung ist nach 6 von 35 Rennen Kathrin Zettel (190 Punkte) auf Platz fünf, gefolgt von der bemerkenswert starken Andrea Fischbacher (185), die in Lake Louise mit den Plätzen fünf (Abfahrt) und zwei (Super-G) stark aufzeigte. Nicole Hosp, Österreichs größte Hoffnung im Kampf um die große Kristallkugel, ist mit 154 Zählern und bereits 204 Punkten Rückstand auf die überlegene Vonn derzeit nur Neunte. Eine Knieverletzung und eine folgende Verkühlung haben die Tirolerin in dieser frühen Phase gebremst.

Geprägt gewesen waren die Nordamerika-Rennen der Damen auch diesmal von Wetterproblemen. Während sogar Vonn angesichts des vielen Neuschnees Platz neun im Super-G ("Ich wollte mehr, aber bei diesem Wetter ist es schon ein Erfolg, im Ziel zu sein und gepunktet zu haben") locker nahm, wollte ÖSV-Damenchef Herbert Mandl das aber nicht als Ausrede geltenlassen.

Vor allem im Super-G seien seine Mädchen trotz Platz zwei für Fischbacher unter ihrem Wert geschlagen worden, hielt Mandl während der abenteuerlichen Autofahrt durch das kanadische Schneechaos zum Flughafen in Calgary fest. "Sie haben sich einfach zu wenig zugetraut, wir hätten mehr unter den Top Ten haben müssen."

Götschl bereitet Sorgen
Während in den Technik-Bewerben trotz Hosp und Zettel das Fehlen der verletzten Marlies Schild unübersehbar ist, bereitet in den Speed-Disziplinen vor allem das mäßige Abschneiden von Renate Götschl Sorgen. Die so optimistisch in die Saison gegangenen "Speed-Queen" legte in Kanada einen ungewohnten klaren Fehlstart hin, kam im Super-G nicht einmal in die Punkte - ein Novum, denn in ihrer Karriere landete die Steirerin im Super-G immer unter den Top 30, sofern sie ins Ziel kam. "Ich bin sehr enttäuscht und kann mir das auch nicht erklären. Es war für mich eine Riesenenttäuschung, als ich im Ziel meine Platzierung gesehen habe", sagte die 33-Jährige.

Auch Mandl war verwundert. "Die Abfahrt war gar nicht so schlecht. Aber im Super-G ist sie einfach schlecht skigefahren. Viel Biss, aber einfach nicht locker genug. Vielleicht hatte sie nach dem starken Trainingsleistungen eine zu hohe Erwartungshaltung."

Sowohl in Aspen (Tessa Worley im Riesentorlauf) als auch in Lake Louise (Nadia Fanchini im Super-G) gab es Weltcup-Premieren-Siegerinnen. Da wie dort unterstrich aber Vonn, dass der Weg zum Gesamtsieg erneut nur über sie führt. Der US-Amerikanerin wird der zweite Gesamtsieg in dieser Form wohl nur schwer zu nehmen sein. "Solange sie keine Fehler macht, wird es schwer", weiß auch Mandl.

La Molina und St. Moritz noch auf dem Programm
Bei den Damen stehen vor dem Jahreswechsel noch die Rennen in La Molina (RTL und Slalom), St. Moritz (Superkombi, Abfahrt, Super-G) und am Semmering (RTL/Slalom) an. Wo die in Kanada abgesagte zweite Abfahrt nachgetragen wird, steht noch nicht fest.

Aus Spanien werden beste Schneeverhältnisse gemeldet. Dort werden angesichts der Probleme im Technikbereich sowie ausgefallener Europacup-Rennen einige junge ÖSV-Mädchen ihr Weltcup-Debüt feiern. Unter anderem auch Marlies Schilds jüngere Schwester, Junioren-Weltmeisterin Bernadette Schild (18).
(apa/red)

8.12.2008 12:26